![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|||
|
|
DER SCHÖNE SCHEIN Ein Nachruf auf Eduard Gufeld
Bis zum Schluss liebte
er das Handeln und Verkaufen. Die Todesanzeige Eduard Gufelds, der am
23. September 2002 BAGIROW Kirovobad, 1973 1.d4 g6 2.c4 Lg7 3.Sc3 d6 4.e4 Sf6 5.f3 0-0 6.Le3 Sc6 7.Sge2 Tb8 8.Dd2 a6 9.Lh6 b5 10.h4 e5 11.Lxg7 Kxg7 12.h5 Kh8 13.Sd5 bxc4 14.hxg6 fxg6 15.Dh6 Sh5 16.g4 Txb2 17.gxh5 g5 18.Tg1 g4 19.0-0-0 Txa2 20.Sef4 exf4 21.Sxf4 Txf4 22.Dxf4 c3 23.Lc4 Ta3 24.fxg4 Sb4 25.Kb1
25...Le6 26.Lxe6 Sd3 27.Df7 Db8+ 28.Lb3 Txb3+ 29.Kc2 Sb4+ 30.Kxb3 Sd5+ 31.Kc2 Db2+ 32.Kd3 Db5+ 0-1 Gufeld hatte begriffen,
wie wichtig die richtige Vermarktung der eigenen Kunstwerke ist und sein
Geschäftssinn war mindestens so gut entwickelt wie sein Gefühl
für Ästhetik. Unermüdlich pries er seine Mona Lisa
und kommentierte die Partie Bagirow - Gufeld in zahllosen Anthologien
und Schachzeitschriften. Skrupel bereits Geschriebenes noch ein zweites
oder drittes Mal zu veröffentlichen hatte er nicht. Er war ein Künstler
des Recycelns. Wesentliche Passagen in The Search for Mona Lisa
sind bereits früher unter dem Titel My Life in Chess erschienen
und wurden anschließend wieder zu Artikeln für Schachzeitschriften
in aller Welt. Gufelds Name schmückt zahllose Schachbücher.
Über die genaue Zahl streiten die Experten. Manche sagen achtzig,
andere tippen auf über Hundert, Sosonko auf siebenundvierzig. Gufeld
trat bei zahllosen Büchern als Co-Autor auf und es bleibt unklar,
wie viel er wirklich dazu beigetragen hat. Er besaß, um mit Bertolt
Brecht zu sprechen, eine grundsätzliche Laxheit in Fragen des
geistigen Eigentums. Manchmal gefielen ihm die Kommentare anderer
Spieler so gut, dass er sie einfach übernahm - ohne die Quelle zu
nennen. SMYSLOW UdSSR 1967 1.c4 Sf6 2.Sf3 g6 3.b4 Lg7 4.Lb2 0-0 5.e3 b6 6.d4 c5 7.dxc5 bxc5 8.b5 a6 9.a4 Se4 Schwarz beschwört Komplikationen herauf, um den Entwicklungsrückstand des Weißen auszunutzen. 10.Lxg7 Kxg7 11.Dd5 Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob Schwarz etwas übersehen hätte: Sowohl der Se4 als auch der Ta8 hängen. Aber Gufeld verfolgt eine phantastische Idee. 11...Da5+ 12.Ke2
12...Lb7! Ein
unglaublicher Zug. Schwarz löst seine Entwicklungsprobleme auf radikale
Art: Er opfert einfach zwei seiner noch nicht aktiven Figuren. Nach 12...Sc3+
13.Sxc3 Dxc3 14.Td1! Ta7 15.Dxc5 hat Weiß Vorteil 13.Dxb7 Sc6!
Gufeld berichtet, wie diese Partie die Aufmerksamkeit fast aller anderen
Spieler auf sich zog. Auch Ex-Weltmeister Botwinnik verfolgte das Geschehen
interessiert. Gufeld schreibt: Er studierte die Stellung auf dem
Brett, schaute mir ins Gesicht, und ging anschließend zu Geller,
um ihm etwas zuzuflüstern. Viele Jahre später erzählte
mir Geller, was er gesagt hatte: 'Wer ist dieser Halbstarke, der bei uns
in der Mannschaft spielt?' (S.64) Natürlich weiß man
nicht, ob Gufeld diese Begegnung nicht einfach nur erfunden hat. Dann
würde sie das Schicksal vieler schöner Erzählungen teilen,
die nichts als Phantasie sind, aber Charme besitzen. Denn tatsächlich
charakterisiert diese Episode das schwarze Spiel recht gut. 14.Sfd2
Sofort nehmen darf Weiß den Springer nicht. Nach 14.bxc6 Tab8 15.Dxd7
Tfd8 16.Dxd8 Dxd8 17.Sbd2 Tb2 ist der schwarze Angriff zu stark, z.B.:
18.c7 Dxc7 19.Ke1 Da5 20.Td1 e5 mit der Idee Sc3 nebst e4. Weiß
überlässt die Dame ihrem Schicksal, weil er hofft, so den schwarzen
Angriff parieren zu können und genug Material für die Dame zu
bekommen. 14...Ta7 15.bxc6 Txb7 16.cxb7 Db4 17.Sxe4 Eine Ungenauigkeit.
Besser war 17.Ta2 17...Db2+ 18.Sbd2 Dxa1 19.Sxc5 Tb8 20.g3 Da3
Aber nicht 20...d6? 21.Sd7 Txb7 22.Lg2 Db2 23.Tb1 und Weiß gewinnt.
21.Sxd7 Txb7 22.Lh3 Dd6 23.c5 Dd5 24.f3 Tb2 Der exponierte weiße
König und die verstreut stehenden weißen Figuren geben dem
Schwarzen reelle Gewinnaussichten - auch wenn drei Figuren theoretisch
ein ausreichendes Gegengewicht zur Dame darstellen. 25.Td1 e6 26.c6
Dc4+ 27.Ke1 Dd3 28.Lf1 Dxe3+ 29.Le2 a5 Um a5 nebst Sb6 zu verhindern.
30.f4 f6 31.c7 Tc2 32.Kf1 Txc7 33.Sc4 Ein Versehen in kritischer
Lage. 33...Txc4 34.Lxc4 Df3+ 35.Ke1 Dc3+ 0-1
|
|||||||
|
Das Belegexemplar wurde freundicherweise von der Firma Schach E. Niggemann gestellt. |
||||||||