LASKERS KAMPF UM DAS
URHEBERRECHT AN SCHACHPARTIEN

EINE ZITATEN-AUSWAHL VON SUSANNA POLDAUF


Immer wieder musste sich Lasker für seine hohen Honorarforderungen rechtfertigen. In seiner Argumentation für das Urheberrecht an Schachpartien verweist Lasker auf die Parallelen von Schach und Kunst und auf die ungeklärte soziale Lage der Berufsschachspieler.


Emanuel Lasker 1895
Foto a us: Dr. J. Hannak, Emanuel Lasker –
Biographie eines Schachweltmeisters, Berlin 1952

„Ich war willens, der Schachwelt meine Kunst und mein Denken zu geben und dadurch die Schachwelt zu unterhalten und das Spiel zu fördern, aber ich verlangte, daß sie dafür eine Verantwortung auf sich nehme und erfülle […] Freilich argumentiert sie, daß das Schachspiel nicht zum Berufe tauge. Die Millionen Schachfreunde aber, die veröffentlichte Meisterpartien nachspielen und sich an ihnen bilden und erfreuen, sollten diesen Standpunkt nicht stützen. Mit ähnlichen Argumenten könnte die musikalische Welt den beruflichen Musikern von Talent das Brot entziehen, was doch offenbar eine Ungerechtigkeit wäre. Nur Leute, die sich einer Sache ganz und gar widmen, bringen darin etwas Großes zuwege. Daß Schachmeister, die produktiv sind, außerdem noch einen anderen Beruf ergreifen, darf man nicht fordern, denn sonst zersplitterten sie
ihre Zeit wie ihre Kraft und brächten es hier wie dort nicht zur Entfaltung ihrer Meisterschaft.“
(Emanuel Lasker in: Mein Wettkampf mit Capablanca von Dr. Emanuel Lasker, Berlin und Leipzig 1926, S. 2)

„Bevor ich nach Habana ging, machte ich in längern Unterhandlungen mit Capablanca aus, daß die Partien des Matches unser Eigentum sein sollen. Diese Regel ward schriftlich fixiert und dem Vertrag einverleibt. Aber sie ward nicht gehalten. Von New York kam Herr Hartwig Cassel, der sein Versprechen, das Eigentumsrecht der Partien zu wahren, alsbald brach. Und da er die Associated Preß und die United Preß telegraphisch mit den Partien versah, die nun die Partien nach Argentinien und Europa weitergaben, so waren meine Vereinbarungen mit der Presse wertlos und die Meister ihrer Rechte beraubt.“
(Emanuel Lasker in: Mein Wettkampf mit Capablanca von Dr. Emanuel Lasker, Berlin und Leipzig 1926, S. 37)

Brief Emanuel Laskers an Professor Gebhardt (Vorsitzender des Deutschen Schachbundes) Kopenhagen, 11. Juli 1908:
„Sie, wie die Spieler selbst haben das Recht, jede einzelne Partie des Matches jeder deutschen Zeitung um einen festzusetzenden kleinen Preis zu verkaufen. Doch bleiben die Spieler Eigentümer der Partien (wie der dafür erhaltenen Honorare) und muß ihnen dies Recht durch Vermerk im Spielsaal und auf Eintrittskarte gesichert werden.“
(Emanuel Lasker in: Der Schachwettkampf Lasker - Tarrasch um die Weltmeisterschaft im August - September 1908 von Dr. Tarrasch, Leipzig 1908, S. 20)

1913 wirft Ranneforth im Wochenschach Lasker Materialismus, worauf dieser folgendermaßen reagiert:
„Wenn einer Materialist ist, der die soziale Lage der Schachmeister sich beflissen hat, zu heben, der wahres Verständnis für den tiefen Sinn der Schachpartie sich bestrebt hat, überallhin zu verbreiten, der dafür eingetreten ist, daß die Schachmeister mit Achtung und gemäß ihrem Menschenrechte behandelt werden, der zuwege gebracht hat, daß die Grausamkeit der Schachwelt ihr zum Bewußtsein komme, die ihre schaffenden Künstler, einen
Morphy, einen Harwitz, einen Neumann, einen Steinitz, einen Pillsbury, hat verkümmern, wenn nicht verhungern lassen – wenn einer, der dies getan hat, Materialist ist, so bin ich einer.“
(Emanuel Lasker in: Der Schachwart – Organ der Berliner Schachgesellschaft, Hrsg. Dr. Emanuel Lasker; Nr. 3. April 1913 S. 47)

„Die Art und Weise, wie die soziale Stellung des Schachmeisters zu wahren sei, ist eben durch die Bedingungen meines Matches mit Rubinstein klar gestellt. Man gebe dem Meister die Frucht, die er hervorbringt. Wie der Schriftsteller an seinem Buch, so hat der Schachmeister ein Urheberrecht an der Partie, die er in Mühen konzipiert. Mögen die Zuschauer Eintritt zahlen, wie bei meinen Partien mit Schlechter, wo für die letzte Partie mehr als tausend Mark eingenommen wurden, mögen ferner die, die die Partie in
Zeitungen oder Büchern drucken, für das Recht der Veröffentlichung eine kleine Summe hergeben, mögen schließlich die Schachfreunde willens werden, sich für den Genuß, den sie sich von den Meistern verschaffen, erkenntlich zu zeigen. Dann werden die Meister im Alter nicht mehr darben; sie werden nicht mehr in Hospitälern einsam sterben, und alle werden dabei gewinnen, die Meister sowohl wie die Schachwelt.“
(Emanuel Lasker in: Der Schachwart – Organ der Berliner Schachgesellschaft, Hrsg. Dr. Emanuel Lasker; Nr. 1. Band 2. Oktober 1913, S. 10)

„Die Partie bildet ein Leben um sich herum; und, wenn sie ein Kunstwerk ist, hat sie lange Dauer und erfreut Viele. Nun hat auch der Schaffende, der Künstler, sein Recht. Das Leben der Partie stammt ja von ihm. Wären die Meister nicht, so würden keine neuen Meister entstehen. Die junge Generation muß sich an der alten bilden […] Wie aber wird dem Meister sein Recht? – Der geistige Gehalt der Partie wird erst spät gefunden […] Doch irgend etwas muß sogleich geschehen, damit der Künstler Anerkennung finde, daß die Gesellschaft für ihn sorge, sich ihn erhalte, seiner Fruchtbarkeit nicht beraubt werde.“
(Emanuel Lasker: Erfolg und Gehalt in: Der Schachwart – Organ der Berliner Schachgesellschaft, Hrsg. Dr. Emanuel Lasker; Nr. 12 / Band 2, September 1914, S. 190/191)

Im Juli 1914 wurde während des 19. Kongresses des Deutschen Schachbundes in Mannheim ein „Fonds zur Unterstützung in Not geratener verdienstvoller Schachmeister“ gegründet. Unterzeichnende: Dr. E. Lasker, W. Robinow, J. Sossnitzky