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MIT
SPASS ZUM ERFOLGREICHEN TAKTIKER
VON
MARTIN B. FISCHER
Wer wäre nicht gern ein tödlicher Taktiker - ein
Spieler, der seine Punkte mit hübschen Glanzpartien und kleinen Kabinettstückchen
garniert. David LeMoirs How To Become a Deadly Chess Tactician verspricht,
diesem Ziel ein Stück näher zu kommen. Das Buch allein wird
einen zwar nicht in einen
tödlichen Taktiker verwandeln, macht aber Lust, wieder
einmal etwas für die taktischen Fähigkeiten zu tun. Arbeitet
man es gar durch, ist man taktisch sicher gefährlicher als vorher.
Ermuntert wird man zu dieser Arbeit durch die unterhaltsame Form. Die
Aufgaben zu lösen und den Text zu lesen macht genauso Spaß
wie das reine Blättern, denn die eingefügten Illustrationen
lockern den schachlichen Stoff angenehm auf.
Le Moir verfolgt ein klares Konzept, um den Leser zu einem waschechten
Taktiker zu machen. Drei Dinge, so meint er, braucht der Schachspieler,
um auf diesem Gebiet erfolgreich zu sein: die Bereitschaft, die Entscheidung
der Partie durch taktische Mittel zu suchen; die Kenntnis taktischer Konzepte
sowie eine geschulte Vorstellungskraft, um sie umzusetzen; und schließlich
die Fähigkeit gut und effektiv zu rechnen.
Diese drei Voraussetzungen werden in dem Buch unterschiedlich ausführlich
beleuchtet. LeMoir beginnt mit einem Parforce-Ritt durch die
Schachgeschichte und wirft dabei vor allem einen Blick auf die üblichen
Verdächtigen in Sachen Taktik - Anderssen, Aljechin, Tal und
Kasparow. Trotz vieler bekannter Beispiele ein sehr unterhaltsamer Teil.
Im nächsten Abschnitt werden wir in einer kleinen Sammlung von, zumindest
mir, größtenteils unbekannten Beispielen damit vertraut gemacht,
dass vieles relativ ist, vor allem materielle Dinge. Der erste Teil des
Buches möchte vor allem unterhalten, um den Leser zu motivieren,
taktisch zu spielen. Dieses Ziel wird erreicht. Die Beispiele zeigen,
dass die taktische Entscheidung kein Zufallsprodukt sein muss, wenn man
sie sucht und das Risiko nicht fürchtet.
Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich mit verschiedenen taktischen
Konzepten. LeMoir erläutert beispielsweise ruhige Opfer (ohne Schlagfall
oder Schach) sowie einige Standard-Motive (z.B. das Springeropfer
auf d5 oder die Stärke von Freibauern). Auch wenn der Autor seinen
lockeren und humorvollen Stil beibehält, ist hier die erhöhte
Aufmerksamkeit des Lesers gefordert, denn es wird - schachlich - wirklich
anspruchsvoll.
Dann folgt ein Abschnitt über die Kunst des Analysierens. Dieser
Teil hat mir vor allem wegen seiner Kürze und seiner Beschränkung
auf Wesentliches gefallen. Das Buch enthält bereits in seinen ersten
beiden Teilen genügend Beispiele, an denen der Leser seine Rechenfähigkeiten
testen und weiter entwickeln kann. Hier gibt der Autor dem Klub-Spieler
lediglich einige praktische Tipps, wie er Ordnung in sein mentales Chaos
bringen kann. Außerdem verweist LeMoir auf weiterführende Literatur
zum Thema.
Zum Schluss folgen mehrere Seiten mit Testaufgaben. Bei diesen Tests behält
der Autor das Konzept der vorhergehenden Kapiteln bei. Er beginnt mit
leichten Aufgaben (Level 1), dann folgen mittelschwere Aufgaben (Level
2) und am Ende richtig schwere Aufgaben (Level 3). Allerdings wirken LeMoirs
Ansichten, welche Aufgaben schwer und welche leicht sind, manchmal recht
willkürlich. Mitunter sind die Sprünge im Schwierigkeitsgrad
der Beispiele ziemlich heftig, was aber durch die ausführlichen Erläuterungen
des Autor teilweise aufgefangen wird. Ich hätte mir etwas mehr leichtere
Beispiele gewünscht, um zu größeren Erfolgserlebnissen
zu kommen.
Aber dennoch ein sehr
gelungenes Buch, das allerdings insbesondere beim humorvollen Teil solide
Englischkenntnisse verlangt, wenn man in den vollen Lesegenuss kommen
möchte.
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