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LIEBE LESER,
im August findet in
Deutschland eines der bedeutendsten Schachturniere der Welt statt: die
31. Dortmunder Schachtage, ein Turnier, das sich von seiner Tradition
und der Qualität der Teilnehmer nur mit Linares oder Wjik aan Zee
vergleichen lässt. Im Laufe der Zeit war die gesamte Weltklasse in
Dortmund am Start und die dort gespielten Partien haben Schachgeschichte
geschrieben. PCA-Weltmeister Wladimir Kramnik hat hier den Durchbruch
in die Weltspitze geschafft und ist seit 1995 Abonnementssieger; WM-Kandidat
Peter Leko ist hier groß geworden und spielte schon mit elf Jahren
bei Turnieren in Dortmund mit, in denen er sich Respekt bei seinen späteren
Großmeisterkollegen verschaffte. 1999 gewann er das A-Turnier und
letztes Jahr feierte er einen seiner größten Erfolge, als er
sich gegen starke Konkurrenz beim Kandidatenturnier durchsetzte und Herausforderer
des Weltmeisters Wladimir Kramniks wurde. Wann die beiden ihren WM-Kampf
spielen werden, steht in Anbetracht der augenblicklichen Situation in
der Schachwelt in den Sternen, aber da sie dieses Jahr beide in Dortmund
am Start sind, wird sich der Vorhang zum ersten Akt ihres Kräftevergleichs
auf alle Fälle im Dortmunder Theater heben. Um so interessanter sind
die ausführlichen Interviews in diesem Heft, in denen Kramnik und
Leko Auskunft über den WM-Kampf, das bevorstehende Turnier, ihre
Beziehung zu Dortmund und vieles mehr geben.
Zweifellos hat die
Ruhrmetropole von der Aura des Schachturniers profitiert. Auch die Bemühungen
der Veranstalter, in den zahlreichen Nebenturnieren, in stark besetzten
Open und in Wettkämpfen Nachwuchsspielern eine Chance zu geben, haben
sich bezahlt gemacht. Zwei der hoffnungsvollsten deutschen Talente, Arkadi
Naiditsch und David Baramidze, leben in Dortmund. Stefan Löffler
hat sich auf die Suche nach dem Geheimnis dieser Erfolge begeben. Er stellt
Mutmassungen über Arkadi an, und entdeckte in Dortmund das erfolgreichste
Schachgymnasium Deutschlands, professionelle Schachlehrer und einen hoch
motivierten Verein, in dem David Baramidze groß geworden ist.
Die Schachtage zählen
zu den wenigen Turnieren, von denen das Fernsehen berichtet, und die einer
breiten Öffentlichkeit präsentiert werden. Als Deutscher Schachsender
hat sich der WDR etabliert. Und dort führt Helmut Pfleger seit beinahe
dreißig Jahren regelmäßig durch die Sendung. Am 6. August,
dem Tag, an dem der zweite Bericht über das Dortmunder Turnier ausgestrahlt
werden wird, feiert Helmut Pfleger seinen 60. Geburtstag. Ein gelungener
Anlass für ein Porträt, in dem der Großmeister einen Blick
auf die euphorischen Anfangszeiten der 70er und 80er Jahre wirft und sich
der Kritik stellt, die manchmal an ihn und die Präsentation des Schachs
im Fernsehen herangetragen wird.
Informativ und unterhaltsam
sind auch die ständigen Rubriken: Im Porträt gibt Christopher
Lutz Einblicke in die Arbeitsweise eines Großmeisters: Er erklärt,
warum man besser spielt und öfter gewinnt, wenn man die Geheimnisse
der Prophylaxe entschlüsselt und verrät, wie er Eröffnungen
studiert.
Konstantin Landa,
einer der stärksten in Deutschland lebenden Spieler und in der Vergangenheit
kurze Zeit Nummer Eins der Deutschen Rangliste, stellt seine Lieblingspartie
vor: ein Sieg gegen seinen Lehrmeister Kasparow, mit dem er sich die weitere
Förderung in der Botwinnik-Kasparow Schachschule sicherte.
Mit der vorliegenden
Ausgabe beginnt eine neue Rubrik, die von dem Wiener Autorenteam Ernst
Strouhal und Michael Ehn betreut wird. Hier werden Personen gewürdigt,
die den Lauf der Schachgeschichte vielleicht nicht maßgeblich bestimmt
haben, in ihrem Bereich aber bedeutend waren.
Für Kontakte,
Informationen, Bildmaterial und Hinweise danken wir allen, die uns unterstützt
haben, aber ganz besonders Carsten Hensel, Pit Schulenburg und dem immer
hilfreichen Pressesprecher der Dortmunder Schachtage, Rolf Behovits.
Harry Schaack
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