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MONAT FÜR
MONAT
Von Harry Schaack
Themenkalender gibt
es für alle möglichen Interessensgebiete. Beim Schach dagegen
sind sie rar. Zwar erhält man problemlos einen Taschenkalender, aber
Wandkalender, die mit ansprechenden Motiven auch dem Auge gefallen, waren
auf dem Schachmarkt bislang dünn gesät. Nur in England bietet
Russell Enterprise einen Internationalen Schachwandkalender mit Bildern
aus der Schachgeschichte an. Aber jetzt hat Chessgate unter dem Namen
"Schönheit des Schachspiels" den deutschen Markt
mit einem DIN A3-Wandkalender bereichert, der in seiner Form wohl einzig
ist.
Die Idee geht auf Stefan Kindermann zurück, der auch die Rohentwürfe
für die Gestaltung entwickelt hat. In jedem Monat wird ein ausgewähltes
Schachproblem präsentiert, dessen Kernidee nach Kindermanns Vorgaben
grafisch illustriert ist. Der für seine innovativen Ideen bekannte
deutsche Großmeister trug den Gedanken an einen solchen Kalender
wohl schon eine Weile mit sich herum, denn das liebevoll erstellte Produkt
erforderte mit Sicherheit akribische Vorarbeit.
Die sorgfältig ausgewählten Studien zählen zu den schönsten,
die je komponiert wurden. Mir gefällt bei der Auswahl vor allem die
Nähe zur Partie. Fast alle Beispiele könnten aus der Spielpraxis
stammen. Ein kurzer Text auf der Rückseite erläutert das Problem
der jeweiligen Stellung und danach wird der Lösungsweg mit Hilfe
zahlreicher Diagramme vorgeführt, wodurch auch schwächere Spieler
ein Verständnis für die Stellung entwickeln können.
Ein Kenner des Problemschachs stößt bei diesem Streifzug durch
die Geschichte des Schachproblems vermutlich kaum auf Überraschungen.
Doch auch er mag die Zusammenstellung dieser Juwele schätzen, liest
sich die Liste der Studien-Autoren doch wie ein Who-is-Who der Schachkomposition:
Berger, Kasparjan, Troizki, Reti, Rinck u.a. sind vertreten.
Die Illustrationen sind in Form eines flächenartigen Scherenschnittes
dargestellt, eine künstlerische Umsetzung, die zumindest mir in Sachen
Schach neu ist. Die reduzierte Farbwahl, in der "warme" rotbraune
und hellgelbliche Töne dominieren, lässt ein ästhetisch
sehr anspruchsvolles Produkt entstehen. So trifft der Titel "Schönheit
des Schachs" auf Inhalt und Form des Kalenders gleichermaßen
zu. Ein wirklich gelungenes Produkt!
Am Ende noch eine Studie, die mir besonders gut gefallen hat und die stellvertretend
für die Gesamterscheinung des Kalenders stehen soll. Die Komposition
von Lommer aus dem Jahre 1933 demonstriert eine außerordentliche
Harmonie der wenigen verbleibenden Figuren.

Lösung: 1.Kc8!!
Kc2 (1.-Ka2 2.Ta8 Kb3 3.Tb8 usw. bis der König auf die c-Linie
geht) 2.Tb7!! f1D 3.Tc7 und der schwarze König kann das ewige
Schach nur verhindern, wenn er die c-Linie betritt, wonach sich der Turm
gegen die Dame tauscht und ein theoretisches Remisendspiel Turm gegen
Läufer entsteht. Wandert der schwarze König auf die h-Linie
nach h6, erzwingt Tg6 nebst Abzugsschach den Abtausch.
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