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WIE
RATSCHLÄGE VON EINEM GUTEN FREUND
VON JOHANNES FISCHER
Jesper Hall verrät
sein Credo gleich zu Beginn: Das absolut Wichtigste beim Training
ist, Spaß dabei zu haben. Dem Internationalen Meister und
Bundesligaspieler aus Schweden zufolge liegt die beste Motivation in der
Faszination des Spiels selbst. Entsprechend geht es ihm nicht nur um die
Vermittlung von Wissen, sondern auch im Training Begeisterung zu wecken
und zu vertiefen. Das hat einiges mit Organisation zu tun: wie trainiere
ich, wieviel Zeit kann und will ich investieren, was trainiere ich, worauf
muss ich achten? Und vor allem: wie bleibt mir die Lust am Schach erhalten?
In 15 Kapiteln behandelt Hall, der die dreißig stärksten Jugendlichen
Schwedens betreut, die grundlegenden Bereiche des Schachtrainings. Dies
reicht von der Analyse der eigenen Partien über die Methode der Variantenberechnung,
das Fassen eines Plans und die Entwicklung eines Eröffnungsrepertoires
bis hin zu Themen wie der Arbeit mit dem Computer und dem allgemeinen
Training von Konzentration und Gedächtnis.
Dabei beschränkt sich Hall nicht auf gängige Floskeln wie Die
Analyse der eigenen Partien ist ein unersätzliches Rüstzeug
für den aufstrebenden Spieler. sondern listet auf, was dabei
wichtig ist: Er gibt auch eine Checkliste, die bei der Aufstellung eines
Plans hilft. Zu seinen Anregungen zählt auch das Anlegen eines Notizbuch
oder einer Computerdatei für schöne eigene und fremde Partien
oder für Studien, Kombinationen, Endspielen, ja einfach alles, was
einen am Schach fasziniert. Am Ende jedes Kapitels stehen gezielte Trainingstipps,
eine Reihe von Aufgaben sowie Hinweise auf Bücher, die besonders
geeignet sind, das jeweilige Thema zu vertiefen.
Der Ton des Buches ist offen, persönlich, warmherzig. Hall spart
eigene Erfahrungen, auch wenn sie peinlich waren, keineswegs aus. Das
Buch ist angenehm zu lesen, etwa als ob ein guter Freund Ratschläge
gibt, wie man effektiver und unterhaltsamer trainieren kann. Unterstrichen
wird die Lockerheit noch durch die griffigen Kapitelüberschriften
und Illustrationen.
Trotz des Titels (budding = sich entwickeln, heranreifen) wendet sich
das Buch nicht nur an junge Spieler, sondern ist für alle Spielstärken
und Altersklassen geeignet. Dass Leser unterschiedlich viel Zeit und Motivation
mitbringen, wird in Lehrbüchern selten Rechnung getragen. Halls unterscheidet
in seinen abschließenden Empfehlungen sehr wohl zwischen dem glücklichen
Amateur, ehrgeizigen Aufsteiger und ernsthaften
Profi. Chess Training macht Lust auf Schach, und so kann man eigentlich
nur sagen: viel Spaß beim Lesen, die Spielstärke wird sicher
steigen.
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