LIEBE KARL-LESER,

das Match in New York zwischen Titelverteidiger Magnus Carlsen und Herausforderer Sergei Karjakin knüpfte an eine 130-jährige Tradition an, die 1886 mit dem Match zwischen Steinitz und Zukertort ebendort ihren Anfang nahm. Es war das Messen der beiden Besten ihres Jahrgangs: Carlsen und Karjakin, die Wunderkinder, die schon ein halbes Leben lang Rivalen sind. Big Apple bot die prächtige Kulisse für einen Zweikampf, dessen Ausgang viele deutlicher erwartet hatten. Erst in der
Verlängerung konnte sich der alte und neue Weltmeister aus Norwegen durchsetzen. Für Karjakin ist ein Traum zerplatzt, auch wenn er lange einen Wettkampf auf Augenhöhe gespielt und durch sein Auftreten viele Sympathien gewonnen hat.

Ich hatte Gelegenheit, die WM live vor Ort mitzuverfolgen. Den schachlichen Beitrag zu diesem Heft leisten mit ihren Partieanalysen die Großmeister Klaus Bischoff, Gerald Hertneck, Mihail Marin und Karsten Müller, sowie die Inter­nationalen Meister Frank Zeller und Erik Zude.

Der Wettkampf wurde von einer breiten medialen Berichterstattung auch in Deutschland begleitet. Hundertausende, die für gewöhnlich nichts mit der Schachszene zu tun haben, verfolgten gebannt, wie sich zwei Kontrahenten über Wochen ein geistiges Duell liefern. Ein archaisches Epos und ein völlig anachronistisches Ereignis in einer Zeit, die immer schneller wird. Die öffentliche Anteilnahme zeigte eindrucksvoll, welchen herausragenden Stellenwert eine WM hat. Und sie hat gezeigt, dass man dieses Format unbedingt beibehalten sollte, weil es ein Alleinstellungsmerkmal des Schachs ist.

Am Rande der WM ergab sich Gelegenheit zu einem Treffen mit einem der renommiertesten Schachsammler der Welt. David DeLucia, der nur sehr selten Besuch empfängt, erlaubt den KARL-Lesern einen Einblick in seine exquisite
Kollektion, die vor allem wegen ihrer zahlreichen Memorabilien einzigartig ist.

Mit seinem Beitrag über das bewegte Leben der amerikanischen „Chess Mum“ Carol Jarecki, die Glücksspielerin, Fliegerin und Schachschiedsrichterin war, stellt sich Ingo Althöfer als neuer KARL-Kolumnist vor.

Weil KARL in diesem Jahr 15-jähriges Bestehen feierte, gibt es zu Weihnachten ein Gewinnspiel. Ihre Vorlieben sind gefragt. Wir wollen wissen, welche KARL-Ausgaben ihre Favoriten sind. Unter den Gewinnern verlosen wir zehn Jahresabos. Die Ausschreibung finden Sie hier. Viel Glück!

Bleibt noch, Ihnen allen einen guten Start ins neue Jahr zu wünschen.

Harry Schaack



 

 

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