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DER
KAMPF MUSS WEITERGEHEN!
VON KARSTEN MÜLLER
Die Weltmeisterschaft konnte Viktor Kortschnoi im Verlauf seiner langen
und beeindruckenden Karriere zwar nicht gewinnen, doch seine unerschöpfliche
Liebe zum Schach und sein enormer Kampfgeist haben ihn zu einem der Superstars
des Spiels gemacht. Selbst heute gehört er mit 70 Jahren immer noch
zu den besten 50 Spielern der Welt, was in den meisten anderen Sportarten
völlig undenkbar wäre. So kommt es auch, dass er überhaupt
keine Probleme hat, 50 vorzeigbare Siege mit Weiß zu finden. Schwierigkeiten
hatte er höchstens, aus den vielen möglichen Partien die besten
auszuwählen.
Kortschnoi hat sich bei der Auswahl davon leiten lassen, dass möglichst
alle Generationen seiner Gegner vertreten sind. Zudem kommt aus fast jedem
Jahr von 1951 bis 1999 eine Partie vor, unter anderem Siege gegen die
Weltmeister Botwinnik, Tal, Petrosjan, Spasski und natürlich gegen
seinen Erzrivalen Anatoli
Karpow, gegen Hübner, Schirow und schließlich gegen die junge
Garde, vertreten durch Bacrot und Ponomarjow. Kenner werden in Kortschnois
Partienauswahl sicher einige seiner großen Siege vermissen, etwa
seinen legendären Gewinn gegen Karpow in der 31.Partie der WM 1978.
Kortschnoi nimmt
bei seinen Anmerkungen wie gewohnt kein Blatt vor den Mund und geht mit
einigen Gegnern hart ins Gericht - allerdings auch mit sich selbst. Seine
kritischen Analysen sind eine gute Mischung aus sprachlichen Kommentaren
und Varianten. Nebenbei macht er immer wieder Bemerkungen über sein
Leben, das durch die Emigration aus der Sowjetunion 1976 zweigeteilt ist.
Doch im Mittelpunkt des Buches steht sein Schach. Sein kompromissloser
Stil kommt gut zur Geltung. Mit den Kommentaren sind viele interessante
Einblicke in seine Denkweise verbunden. Hier ist ein schönes Beispiel:
KORTSCHNOI
- TAL
30.UDSSR-CH, JEREWAN 1962

Es sieht
so aus, als hätte Tal eine feste Blockade errichtet. Doch Kortschnoi
findet einen Weg durchzubrechen:
48.Tc4!! a4 49.Tc7 a3 50.Txd7!! Dxd7 51.e6 Da7
(51...Db5+ ist zäher, verliert aber auch, wie Kortschnoi nachweist:
52.Kh4 g5 53.Kh5 De8 54.Kxg5 Dg6+ 55.Dxg6+ hxg6 56.d7 axb2 57.e7 Tb5 58.Kh4
b1D 59.e8D Kh7 60.De7+ Kxh6 61.g5 Txg5 62.Dxg5 Kh7 63.De7 Kh6 64.De3 und
Weiß gewinnt)
52.De5 axb2 53.e7 Kf7 54.d7 1-0
KORTSCHNOI
- PONOMARJOW
CANNES
1998

45...Se4??
Immer vorwärts, lautet die Devise. Damit liegt der kämpferische
Jüngling hier jedoch völlig daneben stellt Kortschnoi
in dem ihm eigenen Stil fest und gibt statt dessen den viel stärkeren
Springerrückzug 45...Se8! mit der Folge 46.Sec3 Sc7 47.Sxc7 Txc7
48.Sxd5 Tcxa7 49.Tc6 Ta2 50.Tb1 Ta1 51.Txa1 Txa1 52.Tc7 b2 53.Txe7 Kf8
54.Tb7 b1D 55.Txb1 Txb1-+ an.
46.Tb1 Lb4?
Ponomarjow bleibt konsequent, doch er beschleunigt lediglich den eigenen
Untergang. 46...Ke8, was Kortschnoi nicht anführt, war zäher.
47.Tb6 Kg8 48.Tb7 Sd6 49.Sxd6 Lxd6 50.Sc3 Tc7
50...Lc7 51.Sxd5 Ld8 52.Ta1 gefolgt vom Königsmarsch nach c3+-
51.Tb8 Tc8 52.Txc8 Txc8 53.Sxd5 Ta8 54.Sb6 1-0
Mögen noch viele solche Kämpfe folgen!
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Viktor Kortschnoi,
Meine besten Kämpfe, Band 1: Partien mit Weiß,
Edition Olms 2001,
208 S., 49,80 DM.
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