
Johannes
Fischer,
Jahrgang 1963,
lebt als freier Übersetzer, Dolmetscher und Journalist
in Leipzig
und spielt beim
SC Leipzig-Gohlis
in der 2. Bundesliga.
Kontakt

Fresh,
USA 1994.
Mit Sean Nelson,
Samuel Jackson,
Giancarlo Esposito
u.a..
Regie: Boaz Yakin.
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von Johannes Fischer
Die
KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne wird
etwa alle ein bis drei Wochen aktualisiert und präsentiert Rezensionen
aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur,
Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum
aktuellen Schachgeschehen.
FILMTIPP:
FRESH: SCHACH, SPANNUNG, DROGEN
Fresh, USA 1994. Mit Sean Nelson, Samuel Jackson, Giancarlo Esposito
u.a.. Regie: Boaz Yakin.
In der Nacht von Samstag, den 28.2. auf Sonntag, den 29.2., 1.15 Uhr,
Pro Sieben.
Wiederholung in der Nacht von Montag, den 1.3. auf Dienstag, den 2.3.,
2.15 Uhr, Pro Sieben.
Schachmotive im Film bringen nicht immer ungetrübtes Vergnügen.
Aber manchmal kommt bei dieser Mischung etwas Gutes heraus. Wie im Falle
von Fresh, dem Spielfilmdebüt des Regisseurs Boaz Yakin.
Der spannende Thriller erzählt die Geschichte Michaels, eines 12-jährigen
Jungen, der in einem von Gewalt und Drogen geprägten New Yorker
Schwarzenghetto aufwächst und wegen seiner wachen Intelligenz den
Spitznamen Fresh verliehen bekommt.
Fresh wohnt in einem Pflegeheim und arbeitet vor und nach der Schule
als Drogenkurier für die beiden größten Dealer des Ghettos.
Mit unbewegtem Gesicht, kaltblütig und scheinbar unberührt
von dem Elend der Abhängigen, denen er den Stoff verkauft, erledigt
er seine Arbeit. Intelligenz und Effizienz machen ihn zur "Nachwuchshoffnung"
im Drogenmilieu. Man glaubt, dass er eines Tages "The Man"
sein wird.
Eigentlich kein typisches Schachspielermilieu. Aber Fresh spielt Schach,
weil sein Vater spielt und einst sogar Meisterambitionen hegte. Jetzt
trinkt das ehemalige Talent und träumt immer noch von einem großen
Durchbruch, während er als Zocker im Park Geld verdient. Bei zahllosen
Blitzpartien erklärt der Vater seinem Sohn, wie das Schach und
die Welt funktionieren. Ratschläge, die allerdings nur bedingt
überzeugend wirken, denn offensichtlich hat es der Vater im Leben
und in der Schachwelt nicht sehr weit gebracht.
Aber Fresh entsinnt sich dieser Schach- und Lebenslektionen, als er
Zeuge wird, wie einer seiner Freunde und ein Mädchen aus seiner
Schule bei einem Basketballspiel von einem Drogendealer erschossen werden.
Fresh entwickelt einen kühl kalkulierten Racheplan, mit denen er
die beiden Drogenbosse gegeneinander ausspielen und aus dem Ghetto entkommen
will. Bis zum packenden Showdown verfolgt man gebannt, wie sich die
riskante und komplexe Strategie des Jungen Zug um Zug entfaltet.
Das macht den Film zu einem raffinierten Thriller, der das Schach trotz
leichter Ungereimtheiten gelungen in seine Handlung integriert. Nicht
zu vergessen die ausgezeichneten Schauspieler: Neben Sean Nelson als
12-jährigem Drogendealer, der mit unbewegtem Gesicht durch das
Elend seiner Welt streift, beeindruckt Samuel Jacksons Darstellung als
Vater von Fresh. Zwar verrät seine Zugtechnik wenig von einem routinierten
Zocker, aber Jacksons Leinwandpräsenz macht das mehr als wett.
Wenn man überhaupt einen Sinn für solche Filme hat, sollte
man sich Fresh trotz der späten Sendezeit unbedingt anschauen
- und schließlich gibt es ja noch das gute alte Videogerät.
Thematisch verwandte Beiträge in der KARL-Kolumne:
Die Betrachtung von Henning Mankells Vor dem Frost
und Walter Tevis' The Queen's Gambit enthält einen kurzen Exkurs
über das problematische Verhältnis von Schach und Film.
Die
Rezension von Stephen L. Carters Roman Schachmatt
widmet sich einer weniger spannenden Darstellung des Schachs im Milieu
der US-amerikanischen Schwarzen.
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