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Johannes
Fischer,
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von Johannes Fischer
Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne wird etwa alle ein bis drei Wochen aktualisiert und präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.
DIE
SCHÖNSTE PARTIE ALLER ZEITEN:
MCDONNELL
- LABOURDONNAIS 1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 e5 5.Sxc6 Eröffnungstheoretisch tappte man damals noch im Dunkeln. Der weiße Zug stärkt das schwarze Zentrum und ignoriert die durch e5 entstandene Schwächung der schwarzen Felder gänzlich. Heute gilt 5.Sb5 als beste Fortsetzung. 5...bxc6 6.Lc4 Sf6 7.Lg5 Le7 8.De2 d5 9.Lxf6 9.exd5 cxd5 10.Lb5+ Ld7 11.Lxd7+ Sxd7 12.Lxe7 Dxe7 13.0-0 0-0 gibt Schwarz ein schönes Bauernzentrum und bequemes Spiel. 9...Lxf6 10.Lb3 0-0 11.0-0 a5 12.exd5 cxd5 13.Td1 d4 14.c4 Weiß spielt aggressiv. Statt zu versuchen, die schwarzen Bauern in Schach zu halten, setzt er auf Gegenangriff und schickt seinen c-Bauern nach vorne. 14...Db6 15.Lc2 Lb7 16.Sd2 Tae8 Schwarz spielt konsequent: Er pocht auf seine Bauernmasse im Zentrum und obwohl es die Bewegungsfreiheit der Türme beeinträchtigt, lässt einen Turm auf der f-Linie, um den Vorstoß des f-Bauern zu unterstützen. 17.Se4 Ld8 18.c5 Dc6 19.f3 Le7 20.Tac1 f5 Weiter konsequent gespielt: Schwarz setzt ganz auf seine Bauern und opfert eine Qualität, um sie voranzubringen. 21.Dc4+ Kh8
22.La4?! Mit dem Zwischenzug 22.Sd6 hätte Weiß das schwarze Konzept auf eine harte Probe stellen können, z.B.: 22...Lxd6 23.La4 Dxc5 (23...Dc7 24.Lxe8 Le7 25.c6 Lc8 26.Ld7 Lxd7 27.cxd7 Dxd7 28.f4) 24.Dxc5 Lxc5 25.Lxe8 Lb6 26.Lb5 und Schwarz muss beweisen, dass er ausreichend Kompensation für die Qualität besitzt. 22...Dh6 23.Lxe8 fxe4 24.c6 exf3 25.Tc2 Die Kraft der Bauern zwingt den Weißen in die Defensive. So scheitert 25.cxb7? an 25...De3+ 26.Kh1 fxg2+ 27.Kxg2 Tf2+ 28.Kg1 Txb2+ 29.Kh1 Df3+ 30.Kg1 Dg2#. 25...De3+ 26.Kh1 Lc8 27.Ld7 f2 Mit der Drohung 28...De1+. 28.Tf1 d3 29.Tc3 Lxd7 30.cxd7 Auch 30.Txd3 hilft nicht: 30...Le6 31.Dc2 Dc5 und Weiß steht auf Verlust. 30...e4 31.Dc8 Ld8 Weiß ist gegen die schwarzen Freibauern hilflos. 32.Dc4 De1 33.Tc1 d2 34.Dc5 Tg8 35.Td1 e3 36.Dc3 Dxd1 37.Txd1 e2
Ein
wunderbares Bild: drei schwarze Bauern auf der zweiten Reihe. Weiß
gab auf.
Adolf Anderssen Schwache Gegenwehr ist aus heutiger Sicht auch ein Makel der "Unsterblichen Partie". Gespielt wurde sie am Rande des ersten Turniers der Schachgeschichte, das anlässlich der Weltausstellung von 1851 in London ausgetragen wurde. Neben den offiziellen Wettkämpfen vergnügten sich Anderssen und Kieseritzky mit einer Reihe freier Partien, von denen Kieseritzky die meisten gewann. Die spektakulärste aber ging an Anderssen. Mehr über Kieseritzky erfährt man übrigens in der KARL-Kolumne. ANDERSSEN
- KIESERITZKY 1.e4 e5 2.f4 exf4 3.Lc4 Dh4+ 4.Kf1 b5 5.Lxb5 Sf6 6.Sf3 Dh6 7.d3 Sh5 8.Sh4? Beide Seiten spielen die Eröffnung bizarr. Dr. Hübner empfiehlt hier 8.Tg1 mit der Idee 9.g4. 8...Dg5 9.Sf5 c6 10.g4 Sf6 11.Tg1 Unter Figurenopfer spekuliert Weiß auf die gefährdete Position der Dame. 11...cxb5 12.h4 Dg6 13.h5 Dg5 14.Df3 Das war die Idee des Weißen: er erobert den Bauern f4 und bringt die schwarze Dame in Bedrängnis. Um seine Dame zu retten, tritt Schwarz den Rückzug an und spielt seine einzig entwickelte Leichtfigur wieder auf die Grundreihe. 14...Sg8 15.Lxf4 Df6 16.Sc3 Plötzlich hat Weiß überwältigenden Entwicklungsvorsprung. Die Minusfigur fällt kaum auf. 16...Lc5 17.Sd5
Der Auftakt der berühmten Kombination. Aber wie Dr. Hübner gezeigt hat, war 17.d4 besser, z.B.: 17...Le7 18.Sd5 Dc6 19.Sdxe7 Sxe7 20.Sd6+ Kf8 21.Db3 und Schwarz verliert Haus und Hof, wenn er nicht Matt gesetzt werden will. Hier begegnet uns ein häufiges Paradox schöner Partien: Viele spektakuläre Kombinationen wären bei korrektem Spiel des Siegers nie zustande gekommen - aber hätte Anderssen den besseren Zug gespielt, wäre diese Partie vermutlich im Dunkel der Geschichte verschwunden. 17...Dxb2
18.Ld6?
Ein spektakuläres Opfer zweier Türme - aber objektiv gesehen
ein Fehler. Laut Dr. Hübner konnte Weiß hier mit drei verschiedenen
Zügen gewinnen - 18.d4, 18.Le3 und 18.Te1. Etwas ernüchternd
ist es schon, dass Weiß neben den beiden Opferfortsetzungen 18.d4
und 18.Le3 auch mit dem relativ prosaischen Zug 18.Te1 gewinnt, z.B:
Lb7 (oder 18...Sa6 19.Ld6 Lb7 20.Lxc5 Sxc5 21.Sd6+ Kd8 22.Sxf7++-) 19.d4
und Schwarz kann sich nicht retten, z.B.: 19...Le7 (oder 19...Lf8 20.Sc7+
Kd8 21.Sxa8) 20.Ld6 und Schwarz kann wegen 20...Lxd6 21.Sxd6+ Kd8 22.Sxf7+
Ke8 23.Sd6+ Kd8 24.Df8# nicht auf d6 nehmen. Weiß gewinnt Material
bei anhaltendem Angriff. 18...Lxg1 Die kritische Stellung der
Partie. Spätere Analysen fanden heraus, dass sich Schwarz mit 18...Dxa1+
19.Ke2 Db2! verteidigen kann. In dieser unübersichtlichen Stellung
gibt Dr. Hübner die folgende Hauptvariante an: 20.Kd2 Lxg1 21.e5
La6! 22.Sc7+ Kd8 23.Dxa8 Lb6 24.Dxb8+ Lc8 25.Sd5 La5+ 26.Ke3 Dxc2 und
bewertet die Schlussstellung als leicht vorteilhaft für Schwarz.
Ein überraschendes Urteil. Schließlich hat Schwarz einen
ganzen Turm mehr und bei einem derart großen materiellen Vorteil
sollte man mit einer prononcierteren Einschätzung der Stellung
rechnen können. Aber nach 27.Dxa7 hat Schwarz Probleme, seinen
Materialvorteil zur Geltung zu bringen: z.B.: 27...Dd2+ (aber nicht
27...Dxa2 28.Lb4) 28.Kd4 Db2+ (oder 28...Dxa2 29.Lc7+ Ke8 30.Lxa5 mit
Kompensation.) 29.Ke3 Dc1+ 30.Kd4 Dg1+ 31.Sfe3 Da1+ 32.Ke4 und während
Schwarz weiter materiell im Vorteil bleibt, ist seine Stellung gefährdet.
22.Df6+
Zum Abschluss opfert Weiß die Dame und setzt mit den drei verbleibenden
Figuren Matt. 22...Sxf6 23.Le7# 1-0 MORPHY
- HERZOG V. BRAUNSCHWEIG / GRAF ISOUARD 1.e4 e5 2.Sf3 d6 3.d4 Lg4? Bereits im dritten Zug ein Fehler. 4.dxe5 Lxf3 Da Schwarz nach 4...dxe5 5.Dxd8+ Kxd8 6.Sxe5 einfach einen Bauern verliert, muss er mit diesem Tausch das Läuferpaar aufgeben. 5.Dxf3 dxe5 6.Lc4 Sf6 7.Db3 De7 Um f7 zu decken und nach 8.Dxb7 Db4+ zu spielen. 8.Sc3 c6 9.Lg5 Weiß entwickelt sich konsequent weiter. Nach dem verfehlten Bauernvorstoß des Schwarzen am Damenflügel bricht die schwarze Stellung schnell zusammen. 9...b5? 10.Sxb5 cxb5 11.Lxb5+ Sbd7 12.0-0-0 Td8 13.Txd7 Txd7 14.Td1 Alle schwarzen Figuren sind gefesselt und Schwarz steht auf Verlust. Der Textzug gestattet eine nette Kombination. 14...De6
15.Lxd7+
Sxd7 16.Db8+ Sxb8 17.Td8# Wie in der Unsterblichen Partie setzt
Weiß mit einem Minimum an Material Matt. Noch
mehr über Schönheit erfahren Sie im hier. ZUR KOLUMNENSEITE
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