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Johannes
Fischer,
Volker-M.
Anton und |
von Johannes Fischer
Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne wird etwa alle ein bis drei Wochen aktualisiert und präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.
GEMÄCHLICHE
KÄMPFER Tempo
hieß der Schwerpunkt des ersten KARL-Hefts. Es ging um Zeit und
Geschwindigkeit, ein immer aktuelles Thema. Und natürlich hätte
man noch mehr abhandeln können, Zeitwahrnehmung im Fernschach beispielsweise.
Dort dauern Partien Jahre - selbst heute, im Zeitalter von Email und
Internet. Gern wird in diesem Zusammenhang erzählt, dass die Fernschachmannschaft
der DDR, die bei der X. Fernschacholympiade antrat, viereinhalb Jahre
nach der Wiedervereinigung noch eine Medaille für ihren Staat gewann,
den es doch schon nicht mehr gab. a)
Max Euwe Wer
sich auch nur etwas in der Schachgeschichte auskennt, lächelt sicher
gütig, weil dies nun wirklich keine schwere Frage ist. Die Antwort
lautet natürlich Akiba Rubinstein. a)
Victor Palciauskas Vermutlich
fällt die Antwort hier nicht ganz so leicht. Der 1944 geborene
dänische Fernschachgroßmeister Eric Bang war nie Weltmeister.
Im Finale von 1989-1995 wurde er lediglich Zweiter. Die drei anderen
Genannten kamen alle einmal in den Genuß des WM-Titels - was in
der Schachwelt allerdings kaum bekannt ist.
Gewonnen wurde das Turnier übrigens von einem der Autoren, Volker-Michael Anton aus Magdeburg. Hier eine seiner entscheidenden Partien. ANTON - VAN GEET 1.d4 f5 2.g3 g6 3.Lg2 Lg7 4.Sf3 c6 5.0-0 d6 6.b3 Sh6 Dr. Dick van Geet, Fernschachgroßmeister mit Elo 2658 und Internationaler Meister im Nahschach liebt exzentrische Eröffnungen. Der Springer strebt nach f7, um den Vorstoß e5 zu unterstützen. 7.Lb2 0-0 8.Dc1 Sf7 9.Td1 Sd7 10.c4 e5 11.dxe5 dxe5 12.Sc3 Dieser Entwicklungszug bildet den Auftakt zu einer wahren Orgie von Springermanövern: In den nächsten 12 Zügen wird Weiß nicht weniger als zehn Springerzüge machen - danach beruhigen sich die beiden Rösser etwas, wenn auch nur für kurze Zeit. 12...Db6 13.Sa4 Dc7 14.Sg5 Lh6 15.Se6 Db8 16.Dc2 Te8 17.Sec5 Sf8 18.b4 Dc7 19.Sb3 Se6 20.a3 Seg5 21.Sc3 Lg7 22.Sc5 Lf8 23.Sb3 Ld7 24.Sd2 Se6 25.e3 Tac8 26.c5 b6 27.cxb6 axb6 28.Tac1 Ted8 29.Db3 Db8
Die Manöver der beiden Parteien nach der Eröffnung wirken undurchsichtig und ohne klare Linie. Um so überraschender kommt der folgende Springerzug: 30.Sde4! Am Ende der nun eingeleiteten Abwicklung hat Weiß eine Qualität weniger, aber aktive Figuren. 30...fxe4 31.Sxe4 Lg7 32.Txd7 Txd7 33.Dxe6 Tcc7 34.Sg5 Dd8 35.h4 Für die Qualität hat Weiß einen Bauern, das Läuferpaar, eine aktive Stellung und Spiel gegen den schwachen c-Bauern - mehr als genug Kompensation. Schwarz verliert chancenlos. 35...c5 36.bxc5 bxc5 37.Lc3 Ta7 38.Db3 Kh8 39.Se6 Dg8 40.Sxc5 Nach dem Gewinn des c-Bauern steht Weiß nicht einmal mehr materiell schlechter. In den folgenden Monaten lässt der spätere Turniersieger nichts mehr anbrennen und verwertet seinen Vorteil präzise. 40...Td8 41.Ld5 Tb8 42.Lb4 Tc7 43.Tc4 Dc8 44.Le6 De8 45.Sa6 Txc4 46.Dxc4 Tb7 47.Kg2 Lf8 48.Ld5 Lxb4 49.axb4 Te7 50.b5 Sd6 51.Dc5 Dd7 52.Sb8 Dc7 53.Sc6 Te8 54.b6 Dd7 55.Db4 Sb7 56.e4 Dd6 57.Db2 Sd8 58.Sxd8 Dxd8 59.Lc6 Te6 60.b7 Db8 61.Da1 Tf6 62.f4 Kg7 63.Dxe5 und Schwarz gab auf. Nach 63...Dxe5 64.fxe5 Tf8 65.Ld7 ist alles entschieden.
Tempo
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