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Efstratios Grivas,
Die
Belegexemplare
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von Uwe Kersten
Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.
LEHRBUCH ODER SELBSTDARSTELLUNG?! Der griechische Großmeister Efstratios Grivas legt mit den vorliegenden drei Büchern – die hier gemeinsam besprochen werden sollen – eine Lehrserie vor, die den Lesern das Mittelspiel und seine typischen Themen nahe bringen soll. Inhaltlich gliedern sich die drei Bände wie folgt:
Wer die Inhalte überfliegt, findet eigentlich nichts wirklich Neues, da diese Themen auch schon zur genüge in anderen Publikationen behandelt worden sind. Dennoch zeichnet sich Grivas' Ansatz durch eine Besonderheit aus, die man zwar schon von Nimzowitschs „Die Praxis meines Systems“ und einigen Nachfolgern kennt, aber dennoch für einen Großmeister mittlerer Kategorie eher ungewöhnlich ist: Grivas erläutert alle Inhalte fast ausschließlich an seinen eigenen Partien. Dieses Konzept beherrscht Band 1+2 fast vollständig, insgesamt sind nur drei Beispielpartien ohne seine Beteiligung enthalten, während in Band 3 immerhin nur noch circa die Hälfte aller aufgeführten Partien von ihm selber stammen. Was ist nun von obigem Ansatz zu halten? Ein Vorteil ist sicherlich unverbrauchtes Partienmaterial zu bekannten Themen, da hier nicht immer dieselben Klassiker herhalten müssen. Ein weiterer Pluspunkt könnte die besondere Tiefe der Analyse sein – man denke nur an Hübners wissenschaftlichen Ansatz bei der Analyse seiner eigenen Partien – doch leider enttäuscht der Autor hier auf ganzer Strecke. Die Partiekommentare sind oberflächlich und vermitteln den Eindruck einer Fließbandproduktion. Die Tatsache, dass alle drei Bände praktisch zeitgleich erschienen sind, ist ein weiteres Indiz für diese Vermutung. Überhaupt kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, der Autor wolle seine eigenen Partien irgendwie an den Mann bringen und da eine Partiesammlung eines eher unbekannten Großmeisters wenig Absatzchancen hat, stülpte er kurzer Hand den Mantel eines Mittelspiellehrbuches darüber und verteilte seine Partien entsprechend der behandelten Themen. Vielleicht hat Grivas aber auch einen Hang zu überzogener Selbstdarstellung. Schließlich hat er auch schon ein Buch mit dem Titel A Complete Guide to the Grivas Sicilian herausgebracht, wobei das Buch an sich keine schlechten Kritiken bekommen hat. Man darf aber schon fragen, ob es guter Stil ist, eine Variante eigenständig nach sich selber zu benennen – nach meiner Meinung sollte eine derartige Adelung immer von dritter Seite her erfolgen. Auch der Preis von 20,45 € pro Band (ca.110 Seiten) scheint mir deutlich überzogen. Zum Vergleich erhält man das hoch gelobte Werk von J.Watson Geheimnisse der modernen Schachstrategie auf Deutsch für 24,45 € bei eine Seitenzahl von 288 – über die Unterschiede in der Qualität will ich lieber erst gar nicht eingehen … Resümee: Grivas' Ansatz, ein Mittelspielwerk an Hand der eigenen Partien zu erstellen, ist im Prinzip interessant, aber der Autor macht zu wenig daraus. Sowohl die Qualität der Analysen und Kommentare, als auch das Preis-Leistungsverhältnis vermögen nicht zu überzeugen. Wen man kein Grivas-Fan ist, braucht man dieses Werk nicht!
ZUR KOLUMNENSEITE
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