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Sipke Ernst &
Steve Giddins: Zenon Franco:
Die Belegexemplare
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Die KARL-Kolumne ergänzt die Printausgabe des KARL. Die Kolumne präsentiert Rezensionen aktueller und alter Schachbücher, Betrachtungen über die Literatur, Kultur und Psychologie des Schachs und gelegentliche Kommentare zum aktuellen Schachgeschehen.
ÜBER DIE KONZEPTION VON SCHACHBÜCHERN Stellt man sich die Frage, was ein gutes Schachbuch ausmacht, übersieht man schnell den Umstand, dass oft schon das Konzept ausschlaggebend für den Erfolg ist. Als Autor kann man mitunter sehr viel Arbeit in ein Buch stecken und findet trotzdem keinen geigneten Leserkreis. Dieses Problem möchte ich nachfolgend an drei Beispielen illustrieren. Sipke Ernst & Geert van der Stricht: Tactics in the Chess Opening, part 6 - Gambits and Flank Openings Bestimmte Eröffnungen bringen naturgemäß auch ihre eigenen taktischen Möglichkeiten hervor. Sich damit ausführlich zu beschäftigen, ist durchaus kein schlechter Weg, mehr von einer Eröffnung zu verstehen. Vielleicht war dies einmal das ursprüngliche Konzept, welches der New In Chess Reihe Tactics in the Chess Opening zugrundelag. Mit dem hier zu besprechenden 6. Band der Reihe ist der Bogen aber endgültig überspannt worden. Das Vorgängerwerk, in dem ebenfalls 50 Meisterpartien kommentiert wurden, habe ich hier schon besprochen und gelobt. Nun hat Giddins noch einmal in gleicher Weise nachgelegt. Hier ist von Wahllosigkeit und mangelnder Struktur keine Spur zu entdecken. Erneut hat Giddins eine ganz hervorragende Partieauswahl getroffen, die dem Leser erstklassige Einblicke in das strategische Verständnis von Großmeistern vermittelt. Und es sind nicht bloß die ollen Kamellen, die wir schon hundertfach in Strategiebüchern angetroffen haben – wer erinnert sich schon noch an die großen Endspielsiege von Ribli und Uhlmann über Karpow und Gligoric? Ein bißchen Struktur hat Giddins der Partiesammlung wieder durch die Einteilung in thematische Kapitel verliehen, aber für meine Begriffe ist das überflüssig. Immerhin hat er nunmehr alle königsindischen Bauernstrukturen mit einer Partie illustriert, sodass man durchaus ein fortschreitendes, übergeordnetes Konzept erkennen kann. Aber der wesentliche Punkt bleibt einfach, dass er dem Leser ein wundervolles Lesebuch an die Hand gibt, in dem nicht die Analyse, sondern die begleitende Erkärung im Vordergrund steht. Fazit: Ein Buch, das sich weniger an den Wettkämpfer, als an den Liebhaber wendet - sehr gut gelungen! Zenon Franco: The Modern Benoni Das Konzept der Chess Explained-Reihe, in der bestimmte Eröffnungen anhand von 25 Partien illustriert werden, gefällt mir sehr gut. Man gewinnt so einen bequemen Einstieg in die Thematik und ist gleich mit den wichtigsten Informationen versorgt, wobei insbesondere die Frage: Was ist Wie wichtig? meist erschöpfend beantwortet wird. Aber nicht jede Eröffnung ist für diese Herangehensweise geeignet und nicht alle Autoren lösen ihre Aufgabe mit gleicher Bravour.
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