Die CD enthält
eine abgespeckte Version von ChessBase 8.0, den ChessBase Reader. Mit
diesem Programm lassen sich keine größeren Datenbanken verwalten,
dem Anwender stehen aber zahlreiche Programmfunktionen zur Verfügung.
So ist beispiels-weise die Eingabe eigener Kommentare möglich.
Ebenso lässt sich mit der gütigen Mithilfe der mitgelieferten
Engine Crafty überprüfen, wann sich taktische Schnitzer in
die Partien eingeschlichen haben.
PRÄSENTATION
DES MATERIALS
Die Aufteilung des Partienmaterials auf zwei Datenbanken lässt
sich gut begründen. Laskers Turnierpartien sind von anderer Qualität
als seine Beratungs- oder Simultanpartien. Einige der Kommentatoren
haben sich auf zeitgenössisches Material gestützt.
Die Kommentare
sind erfreulicherweise meist nicht im Informatorstil - also ohne Worte
- sondern liefern Texte. Allerdings könnte sich Chessbase überlegen,
ob bei künftigen Monographien nach dem Vorbild der Konkurrenz von
Convekta nicht alle Partien mit kurzen Anmerkungen versehen werden,
damit der Anwender einen sofortigen Überblick über die Partie
erhält.
Die Multimedia-Dateien enthalten kein zeitgenössisches Material.
Mir gefielen die persönlichen Reminiszenzen von Großmeistern
wie Lothar Schmid oder Wolfgang Unzicker.
Auf einem Video führt der letzte lebende Gegner Laskers, der ungarisch-russische
Großmeister Lilienthal, seine Remispartie gegen Lasker vor. Leider
ist das Bild immer wieder verwackelt. Da Lilienthal die Partie nicht
kommentierte, hat die Aufzeichnung weniger schachlichen als dokumentarischen
Wert.
Lasker
- Lilienthal
Moskau (5) 1935
1.e4 e6 2.d4
d5 3.Sc3 Sf6 4.Ld3 c5 5.Sf3 Sc6 6.exd5 Sxd5 7.Se2 Le7 8.0-0 0-0 9.c3
b6 10.Dc2 h6 11.Td1 Dc7 12.a3 cxd4 13.Sexd4 Sxd4 14.Sxd4 Lb7 15.De2
Sf6 16.Le3 Tfd8 17.La6 Lxa6 18.Dxa6 Sg4 19.Sf3 e5 20.h3 Sxe3 21.fxe3
e4 22.Sh2 Lc5 23.Sf1 Df4 ½-½
Seltsamerweise stimmen der Partieverlauf nach Lilienthal und der auf
der Datenbank nicht überein. Gemäß dem Großmeister
spielte er gegen Lasker 16....Tad8 und nicht 16..Tfd8.
Angesichts des großzügigen
Videoangebots fällt auf, dass Fotomaterial nur spärlich enthalten
ist.
ZUR (PSYCHOLOGISCHEN)
SPIELWEISE LASKERS
Einige der Datenbanktexte
versuchen das Geheimnis von Laskers Spielweise zu ergründen. Einen
zentralen Beitrag zu diesem Thema lieferte Robert Hübner in einem
Vortrag auf der Lasker-Konferenz in Potsdam 2001, in dem er den Mythos
von der psychologischen Spielweise Laskers zu widerlegen suchte. Dieser
Vortrag ist in Auszügen auf der CD veröffentlicht und vollständig
in der Zeitschrift Schach, 3/2001, S.40-46, abgedruckt. Weiter unten
mehr zu diesem Thema. Hier seien jedoch vorerst einige der Schlussfolgerungen
der Autoren auf der CD zu dieser Frage zitiert:
Rogozenko:
Seiner Zeit voraus (St. Petersburg 1895/96)
"Mit anderen Worten spielte Emanuel Lasker stellungsgemäß
und obwohl er gelegentlich einige andere, nicht-schachliche Faktoren
in Betracht zog (die allgemeinen und psychologischen Faktoren) bildet
Objektivität sein herausragendstes Merkmal. Er behandelte einfache
und klare Stellungen genau so stark wie kombinatorische und scharfe
Positionen. [...] Der zweite Weltmeister besaß viele Eigenschaften
eines universellen Spielers unserer Tage. Alles, angefangen von seinem
Schachwissen, über seine körperliche Verfassung, bis hin zu
seinem Nervensystem (Kontrolle der Emotionen) oder seine psychologische
Herangehensweise an jede einzelne Partie führte dazu, daß
Emanuel Lasker seiner Zeit voraus war - über Jahre hinweg hatte
er keinen gleichwertigen Gegner."
Knaak: Lasker
in Nürnberg 1896
"Lasker holt selten etwas aus der Eröffnung heraus. Seine
Stärke ist unzweifelhaft die 2. Partiehälfte. Seine Quote
klarer Fehler ist in dieser Phase äußerst gering. Damit unterscheidet
er sich deutlich von seinen Konkurrenten. Die Anzahl klar schlechterer
Stellungen - etwa 6 - lässt vermuten, dass Lasker in Nürnberg
1896 noch nicht die Spielstärke besaß, die ihn später
auszeichnete."
Fischer:
Gründe für Laskers Erfolg - London 1899
"Das alles wird gespeist von einer vorbildlichen, nachahmenswerten
mentalen Stärke: Laskers Partien scheinen von einer gleichbleibenden,
ruhigen Aufmerksamkeit durchzogen zu sein. Egal wie bedrängt oder
gefährdet er steht: Er scheint weder zu verzweifeln, noch in Panik
zu geraten. Diese Besonnenheit hilft ihm, in bedrängten Stellung
seine Ressourcen und Chancen zu erkennen, in ausgeglichenen Stellungen
geduldig weiter zu spielen und in besseren Stellungen seinen Vorteil
konsequent zu verwerten. Zugleich bewahrt sie ihn vor groben taktischen
Versehen."
Stohl: Lasker
in St. Petersburg 1914
"Ebenso wird Lasker von vielen als der Begründer der psychologischen
Herangehensweise im Schach angesehen. Ich selbst finde es ungeheuer
schwer, dies zu beurteilen, da man im Laufe der Jahre in vielen Fällen
nur vermuten kann, welche Gründe er für bestimmte Entscheidungen
am Brett oder in Bezug auf die Eröffnungswahl usw. gehabt haben
mag. Aber wie bereits oben erwähnt, war Lasker beim Schach zuallererst
praktisch eingestellt, und deshalb hätte er Rubinsteins berühmter
Behauptung "Heute spiele ich gegen die weißen (schwarzen)
Steine" wohl kaum zugestimmt. Lasker wusste, dass Schachspieler
fehlbare Menschen sind, und studierte die Stärken und Schwächen
seiner Gegner. Einiges deutet darauf hin, dass er diese Informationen
besser verwenden konnte als sie."
Heedt: Laskers
Überlegenheit in New York 1924
"1) Lasker spielt auf gleichmäßig hohem Niveau, das
Umschalten zwischen verschiedenen Partiephasen sowie der Wechsel zwischen
Angriff und Verteidigung und vor allem die Kombination von Angriff und
Verteidigung sind seine Stärke. Wie häufig sieht man, dass
manch starker Spieler, wenn er plötzlich auf Verteidigung umschalten
muß, strauchelt und nur noch mit halber Kraft spielt. All dies
sehen wir bei Lasker nicht, der sich in allen Phasen zurechtfindet.
2) Lasker gibt auch in schwierigen Stellungen nicht auf, sondern spielt
hartnäckig und unter umsichtiger Verteidigung weiter. [...]
Unter den genannten Punkten scheinen mir insbesondere die Stärke
im Endspiel sowie die Hartnäckigkeit der Verteidigung von Belang."
Der ausführlichste
Beitrag zu dieser Frage stammt aus dem Keyboard von Großmeister
Rainer Knaak. Er kommt in seinem Artikel Laskers nie nachlassende
Konzentration. Eine kleine Betrachtung zu Laskers Spielstärke und
-stil zu folgenden Ergebnissen:
"Ich stelle zunächst eine sehr vereinfachende These auf, die,
wenn sie zutrifft, vieles erklärt: Laskers überragende Erfolge
entsprangen vor allem der Tatsache, dass er in seiner Konzentration
fast nie nachließ- je länger eine Partie gespielt wurde und
je länger ein Turnier dauerte, um so schwächer wurden die
Gegner, während Lasker stets auf gleichbleibendem Niveau spielte.
Und ebenso wichtig, aber natürlich auch schon spekulativ: Lasker
war sich dieser Tatsache bewußt.
Lasker hatte keinerlei Probleme mit den neuesten Entwicklungen der Eröffnungstheorie
und ein Nachlassen der Kraft ist in diesen Jahren noch nicht festzustellen.
Dies änderte sich erst nach der erneuten größeren Pause
von 1925 bis 1934."
Soweit die Zitate. Hübners Beweisführung ist meiner Ansicht
nach ergänzungsbedürftig. Daher seien dazu einige Bemerkungen
gestattet, welche den Rahmen einer klassischen Besprechung sprengen
und daher nach dem Fazit folgen.
FAZIT
Wer Interesse an Schachgeschichte hat, dem kann dieses Produkt empfohlen
werden.
Dank der Datenbanktexte und des Videomaterials ist die Monographie lesens-
und sehenswert. Im Vergleich zum Konkurrenzprodukt von Convekta nimmt
der niedrigere Preis für die ChessBase-Monographie ein. Wünschenswert
wäre für die Zukunft, dass alle Partien mit Kurzkommentaren
versehen werden. Auch die Anzahl der Testpositionen könnte unbedenklich
vermehrt werden.
ERGÄNZUNG
ZU HÜBNERS BETRACHTUNGEN ZU LASKERS SPIELWEISE
Lange Zeit wurde
unser Bild von Lasker durch Tarraschs Schriften beeinflusst. Dieser
hielt sich trotz seiner ersten Matchniederlage dem Weltmeister für
mindestens ebenbürtig. Da er sich den schachlichen Erfolg Laskers
nicht erklären konnte, zog er außer-schachliche Faktoren
zur Erklärung heran: Laskers angebliche / vermeintliche Fähigkeit,
dem Gegner schlechte Züge zu suggerieren.
Ein Beispiel dafür ist Tarraschs Kommentar zur Partie Marshall-Lasker
in "Das Großmeisterturnier zu St. Petersburg im Jahre
1914", Zürich 1989 [1914], S. 155:
1.d4 Sf6 2. c4 d6 "Lasker spielt die Partie von Anfang an
'auf Gewinn', wie man zu sagen pflegt; d.h. er eröffnet absichtlich
ungewöhnlich und schlecht, und riskiert bedenkliche, ja ungünstige
Stellungen in der Hoffnung, der Gegner werde in der Verfolgung seines
Vorteils straucheln."
Mit der Frage, ob die bewusste Wahl schlechter Züge zum Kampfarsenal
Laskers gehörte, wie es Tarrasch behauptet, setzte sich Robert
Hübner in seinem Vortrag auseinander: "Wenn behauptet wird,
Lasker habe mit Absicht fehlerhafte Züge ausgeführt, so wird
offenbar angenommen, er habe auf diese Weise die Schwächen des
Gegenüber ausnutzen, seinen Stärken ausweichen wollen."
(Schach 3/01, S. 40.)
Um mit einer Analogie zu beginnen: Eine Schachpartie kann als eine Diskussion
zwischen zwei Menschen begriffen werden, in welcher die Wahl der zulässigen
Argumente eingeschränkt - da formalisiert - und der Ausgang der
Diskussion eindeutig festgestellt werden kann. "Matt" wäre
demnach gleichbedeutend mit der Feststellung, dass einer der beiden
Diskutanten kein Gegenargument mehr vorbringen kann. Eine Diskussion
lässt sich auf zwei Ebenen analysieren. Zum einen ist es möglich,
nur die Argumente auf ihre Durchschlagskraft hin zu analysieren. Folgt
man Schopenhauers Typologie aus "Die Kunst Recht zu behalten",
so lassen sich folgende Argumente unterscheiden: argumentum ad rem (auf
die Sache bezogen), argumentum ad hominem (auf den Diskussionspartner
bezogen). In seinen theoretischen Ausführungen über die Möglichkeit
einer psychologischen Spielweise stellt Hübner fest, dass eine
derartige Spielweise beispielsweise in Verluststellungen möglich
sei, dem "Einsatz objektiver Kampfesmethoden" aber trotzdem
größere Bedeutung zukomme." (Schach 3/01, S. 42) Dem
ist insofern zuzustimmen, als der ein guter Psychologe mit geringen
schachlichen Kenntnissen einem leicht beeinflussbaren, mit einem schlechten
Nervenkostüm versehenen Großmeister unterlegen ist. Dies
gilt auch für andere Sportarten. Wie oft wird aber von Sportlern
zugegeben, dass das Spiel "im Kopf" entschieden worden sei,
also nicht auf dem Platz / Brett.
BEISPIELE FÜR
EINE PSYCHOLOGISCHE SPIELWEISE
Bedauerlicherweise gibt es in der Literatur nur wenig Beispiele, mit
denen ein Spieler offen zugibt, einen aus seiner Sicht objektiv schwachen
/ schwächeren Zug gewählt zu haben, um einen Stellungstyp
zu erreichen, in welchem er seine eigenen Stärken entfalten und
Schwächen des Gegners ausgenützt werden können. In Partiekommentaren
wird meistens so getan, als ob diese psychologischen Überlegungen
keine Rolle spielen würden. Dies ist verständlich, denn welcher
Spieler gibt gerne Informationen über sich oder über seine
Gegner preis, wenn er noch hoffen kann, diese Informationen ausnutzen
zu können.
Einer dieser wenigen ist der "Hexer" Michael Tal. Während
seiner Sturm- und Drangzeit gelang es dem achten Weltmeister häufig,
seine Gegner trotz bzw. gerade wegen positionell fragwürdiger Züge
zu überspielen.
Ein Beispiel:
Tal
- Botwinnik
Weltmeisterschaftskampf
1960, 17. Partie.
1.e4 c6 2.d4
d5 3.Sc3 dxe4 4.Sxe4 Lf5 5.Sg3 Lg6 6.Lc4 e6 7.S1e2 Sf6 8.Sf4 Ld6 9.Sxg6
hxg6 10.Lg5 Sbd7 11.0-0 Da5

Tals Trainer Alexander
Koblenz erinnert sich in seiner Autobiographie "Schach lebenslänglich",
Berlin 1987, S. 208: "Die Experten, die sich wie gewöhnlich
im Pressezentrum aufhielten, erwarteten, dass Weiß 12.Dd2 ziehen
und die Partie unentschieden enden würde. Doch es verging eine
geraume Zeit und Tal überlegte immer noch. Endlich wurde sein Zug
mitgeteilt: 12.f4 "Das ist ja Selbstmord!", rief der älteste
sowjetische Großmeister Grigori Löwenfisch. Die Lage des
Anziehenden begann sich schnell zu verschlechtern. Mit einfachen, logisch
fundierten Zügen festigte der Weltmeister seine Position, während
Tal, ohne sich durch materielle Verluste abhalten zu lassen, das Spiel
zu verschärfen suchte." (Koblenz, S. 208)
In der Partie folgte:
12.f4 0-0-0 13.a3 Dc7 14.b4 Sb6 15.Le2 Le7 16.Dd3 Sfd5 17.Lxe7 Dxe7
18.c4 Sf6 19.Tab1 Dd7 20.Tbd1 Kb8 21.Db3 Dc7 22.a4 Th4 23.a5 Sc8 24.De3
Se7 25.De5 Thh8 26.b5 cxb5 27.Dxb5 a6 28.Db2 Td7 29.c5 Ka8 30.Lf3 Sc6
31.Lxc6 Dxc6 32.Tf3 Da4 33.Tfd3 Tc8 34.Tb1 Dxa5 35.Tb3 Dc7 36.Da3 Ka7
37.Tb6 Dxf4 38.Se2 De4 39.Db3 Dd5 40.Txa6+ Kb8 41.Da4 1-0
Tal begründete seine Zugwahl nach der Partie folgendermaßen.
"Nach langem Nachdenken verfiel ich auf den Zug f4. Anfangs schien
er mir unannehmbar, da seine Nachteile gar zu augenfällig waren;
in der vorliegenden Stellung gab es aber keine Züge ohne Nachteil.
Weniger offensichtlich sind die Vorzüge dieses Zuges und doch sind
sie vorhanden, wenn auch nicht auf rein schachlicher Ebene. Erstens
musste sich der Gegner, um den Zug zu widerlegen, sich auf ein taktisch
zweischneidiges Spiel einlassen, was für Botwinnik, seiner bisherigen
Spielweise im Match nach zu urteilen, unerwünscht war." Weiter
führt Tal aus, dass Schwarz - um die Schwäche auszunutzen
- irgendwann das Spiel öffnen müsse, was dem weißen
Läuferpaar zu neuer Betätigung verhelfen würde."
(Koblenz, S. 209).
Damit sind die Möglichkeiten der psychologischen Beeinflussung
des Gegners nicht erschöpft. Auch der Habitus eines Spielers, seine
Körpersprache, seine Art, Züge auszuführen haben einen
unmittelbaren Einfluss auf den schachlichen Kampf.
Short
- Topalov,
Dos Hermanas 1997
1.e4 c5 2.Sc3
e6 3.f4 Sc6 4.Sf3 d5 5.Lb5 Sge7 6.Se5 Ld7 7.Sxd7

Der kanadische Großmeister
Spraggett kommentierte diese Partie im NIC-Magazine:
"I was in the audience when Short made his 7th move after some
reflection, 7.Sxd7. Topalov, who was at that moment walking about scrutinizing
the other games, came back to the board and instead of making the natural
move 7...Dxd7 (which everybody in the world would play instantly) proceeded
to clasp his head with his hands and thought for what seemed to me about
five minutes! During which time the English grandmaster looked on incredulously
about half the time at his opponent (perhaps to see if he was asleep
or did not yet realize that he had just capture done of his pieces)
and the other half at the board (no doubt trying to see what there could
be the other than 7...Dxd7). Finally, but only after having gone through
the additional motion of sticking his thumbs into his ears (to better
concentrate!?), Topalov played the long anticipated
7...Dxd7.
Now, quite normal, and I am sure Short had intended this from the start,
is 8.d3 followed by 9.0-0 with a completely normal game and a long fight
ahead. Instead, Short played the very surprising (and very bad 8.exd5?
And 9.0-0 after which Topalov played very quickly 0-0-0 which leaves
him with a winning position strategically! [...]
I was really baffled by this little incident, and tried to figure out
what had happened. Then it struck me! What I had just witnessed was
probably a high-class 'mind-game'. (Hard-core poker player would refer
to this as a hustle). The idea is based on psychology: disorient the
opponent by causing him to question his perception of reality. Achieving
this in a high pressure situation can cause the opponent to doubt himself,
reduce his self-confidence, leave him temporally vulnerable and hence
create a promising situation for making unforced errors." NIC-Magazine
3/1997, S. 25f.
In der Partie folgte:
7...Dxd7 8.exd5 exd5 9.0-0 0-0-0 10.a3 Sf5 11.Le2 c4 12.Lf3 Lc5+
13.Kh1 h5 14.Lxd5 h4 15.h3 Sg3+ 16.Kh2 Sxf1+ 17.Dxf1 The8 18.Lxc4 Dd4
19.d3 Df2 20.Dxf2 Lxf2 21.Ld2 f5 22.Lb5 Td6 23.Tf1 Lg3+ 24.Kg1 a6 25.Lxc6
Txc6 26.Tc1 b5 27.Kf1 Tce6 28.Td1 Kb7 29.d4 Td6 30.d5 Kb6 31.b4 Kb7
32.Lc1 Td7 33.Se2 Ted8 34.Sc3 Tc8 35.Td3 Te7 36.Le3 Tce8 37.Sd1 Te4
38.d6 Kc6 39.d7 Td8 40.Sc3 Te6 41.Se2 Txd7 42.Tc3+ Kb7 43.Sxg3 hxg3
44.Ke2 Tc7 45.Txc7+ Kxc7 46.Kf3 Kd7 47.Ld4 Tg6 48.Ke3 Ke8 49.Kf3 Kf7
50.c3 Ke6 51.Ke3 Kd5 52.Kd3 Te6 53.Lxg7 Te1 54.Ld4 Ke6 55.Kd2 Ta1 56.Ke2
Txa3 57.Le5 a5 58.bxa5 Txa5 59.h4 Ta3 60.h5 Kf7 61.Ld4 Kg8 62.h6 Kh7
63.Lg7 Kg6 64.Kd2 Ta2+ 65.Ke3 Tf2 0-1
Auch Lasker war
diese Form der Kampfesführung geläufig, wie wir von Kmoch
wissen.

Diese Stellung entstand
nach dem 39. Zug von Schwarz in der Partie
Lasker
- Janowski
New
York 1924
Geben wir Kmoch
das Wort, der die Diagrammstellung in seinem Buch "Die Kunst
der Verteidigung", Berlin 1982, S. 120f. mit "Emanuelisch"
überschrieb:
"Weiß steht elend; eigentlich ist er auf Td2-d1-d2 usw. angewiesen,
aber das hieße abwarten, bis einer der Durchbrüche c6-c5,
g5-g4 oder e5-e4 die Entscheidung bringt. Schrecklich. Wie Tartakower
uns erzählte, zeigte jedoch Lasker keine Spur von Verlegenheit;
er drehte sich gemächlich nach links, schlug ein Bein über
das andere, steckte sich eine neue Zigarre an und spielte, ohne sich
lange zu besinnen, mit fester Hand den folgenden Zug."
40.Kd1 Dieser Zug ist ebenso ungenügend wie jeder andere,
aber er wirkt überraschend. Was soll die kampflose Preisgabe des
Bauern d3 bedeuten?
40...Ke6
Die Überraschung hat gewirkt. Janowski, durch langjährige
trübe Erfahrungen mit dem Doktor gewitzt, glaubt zu erkennen, was
dieser im Schilde führte."
Nach 40...Lxd3 41.Sxd3 Txd3 42.Txd3 Txd3+ 43.Kc2 schienen die weißfeldrigen
Schwächen den Gewinn problematisch zu machen: 43...Td8 44.Sf1 g4
45.hxg4 hxg4 46.Sd2 oder 43...Te3 44.Te4 Txe4 45.fxe4. Der Vorstoß
43...e4! hätte dank einer einfachen taktischen Wendung gewonnen:
44.Sf1 ( 44.fxe4 Tg3) 44...exf3! 45.Kxd3 fxg2.
Kmoch: "Hatte auch Lasker das nicht vorausgesehen? Eine müßige
Frage; er hat jedenfalls nicht gewartet, bis sein Gegner kaum noch etwas
übersehen konnte."
Es folgte: 41.Kc2 Le7 42.Sf1 c5 43.bxc5 Lxc5 44.Ta4 T8d7 45.Td1 La7
46.Ta3 g4 47.hxg4 hxg4 48.c4 T5d6 49.Sd2 Le3 50.Th1 gxf3 51.gxf3 Tg7
52.Th2 Lg1 53.Te2 Tg3 54.Sd1 Td7 55.Tb3 Tdg7 56.Sc3 Le3 57.Sd5 Tg2 58.Txe3
fxe3 59.Tb6+ Kd7 60.Sxe3 Kc7 61.Sxf5 Th7 62.Sd6 Thh2 63.S6e4 Th1 64.Kc3
Tc1+ 65.Kb4 Td1 66.Sb3 Txd3 67.Txb7+ Kc8 68.Tf7 Tb2 69.Sec5 Td6 70.Tf5
Te2 71.Se4 Td3 72.Txe5 Tb2 73.Sec5 Txf3 74.Te8+ Kc7 75.Te6 Tc2 76.Sxa6+
Kb7 77.Sac5+ Ka7 78.Te7+ Ka8 79.Sa4 Th2 80.Sbc5 Kb8 81.a6 1-0
Was lässt sich aus diesen Beispielen schließen? Es ist für
einen Schachspieler durchaus möglich, den Gegner zu beeinflussen:
Nicht nur durch die Zugwahl, sondern auch durch andere, nicht-schachliche
Faktoren. Über die Bedeutung der nicht-schachlichen Faktoren lassen
sich angesichts der unbefriedigenden Quellenlage häufig nur Vermutungen
anstellen. Lasker beherrschte beide Techniken der Gegnerbeeinflussung.
Zum Schluss sei noch aus einem Gespräch zwischen Koblenz und Lasker
zitiert. Daraus wird ersichtlich, dass Laskers psychologische Spielweise
bei den Zeitgenossen deswegen besonderes Aufsehen erregte, weil die
Schachwelt damals unter dem Einfluss der Lehren Tarraschs stand. Heute
sind die folgenden Aussagen Laskers Allgemeingut.
Lasker führte auf eine Nachfrage von Koblenz zum Gegensatz mit
Tarrasch aus (Koblenz, S. 94f.): "'Tarrasch bemühte sich stets
um eine maximale Beweglichkeit seiner Figuren und um die Erreichung
von Entwicklungsvorteilen. Sein Denken war abstrakt; er war überzeugt,
in jeder Stellung gebe es nur einen richtigen, den allerstärksten
Zug. Ich dagegen bin der Meinung, dass im Schach lebendige Menschen
mit verschiedenen Charakteren, Geschmacksrichtungen und Neigungen einander
gegenüberstehen. Deshalb lasse ich mich beim Spiel nicht nur von
allgemein theoretischen Grundsätzen leiten, sondern berücksichtige
auch die starken und schwachen Seiten des Gegners. Einmal wurde ich
eines Zuges wegen kritisiert, den ich in einer Partie gegen den temperamentvollen
Janowski gemacht hatte. Ich antwortete damals halb scherzend, doch steckte
in den Scherz ein wahrer Kern: 'Gegen Tarrasch würde ich nie so
ziehen. Hätte ich es riskiert, hätte ich wahrscheinlich verloren.
Doch gegen Janowski führte dieser Zug zum Sieg!'"
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