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Joachim
Wintzer,
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von Joachim Wintzer
Mark Dvoreckij:
Die Endspieluniversität.
Wer sich auf dem Schachbuchmarkt etwas auskennt, weiß, dass der Name Mark Dvoreckij - die Schreibweisen sind von Verlag zu Verlag verschieben - für höchste Qualität bürgt. In der UdSSR gehörte Dvoreckij zu den erfolgreichsten Schachtrainern. Sein hierzulande bekanntester Schüler ist Arthur Jussupow. Dvoreckij hat - zusammen mit seinen Schülern - hochklassige Bücher über das Mittelspiel herausgebracht, deren Studium man jedem Schachspieler nur ans Herz legen kann. Dazu gehören Effektives Endspieltraining (1996), Der selbständige Weg zum Schachprofi (1997), Angriff und Verteidigung (1999), Geheimnisse der Schachstrategie (1999), Positionelles Schach (3. Aufl. 2000), Theorie und Praxis der Schachpartie (1999), Geheimnisse gezielten Schachtrainings (3. Aufl. 2001), Effektives Eröffnungstraining (3. Aufl. 2002) und Moderne Schachtaktik (4. Aufl. 2002). Dvoreckij profitiert von seiner enormen Erfahrung als Trainer. Er hat seit Jahrzehnten seine Lernmethoden erproben und verfeinern können. Im Unterschied zu vielen Großmeistern weiß Dvoreckij zudem, was Didaktik ist. Er ist neben John Watson der einzige Autor, von dessen Büchern ich bisher nie enttäuscht worden bin. "Die Endspieluniversität" ist keine Übersetzung eines bereits in Rußland vor Jahren publizierten Buches, sondern ein neues Werk, an welchem Dvoreckij in den letzten Jahren gearbeitet hat. ÜBER CHESSGATE Der deutsche Verlag Chessgate - früher Schach Daniel - hat letztes Jahr das meiner Auffassung nach an Gestaltung und Inhalt beste Schachbuch herausgebracht: Die Eröffnungsmonographie von Kindermann und Dirr über Französisch Winawer mit 7.Dg4 0-0. Ansonsten hat sich der Verlag vor allem durch die Produktion von Schachvideos hervorgetan. GLIEDERUNG Dvoreckij behandelt die elementaren Endspiele, also Endspiele mit wenigen Figuren und Bauern, die sich ausanalysieren lassen. Aufgrund der ausführlichen Untergliederung werden nur die Kapitelüberschriften wiedergegeben.
VORGÄNGER UND AKTUALITÄT Vermutlich hat der Leser dieser Kolumne das eine oder andere Endspielbuch im Schrank stehen: Awerbach, die Enzyklopädien, Löwenfisch/Smyslow, etc. Eine Gesamtdarstellung aller Endspiele in einem Band, die mehr als eine Einführung ist, ist vermutlich nicht darunter. In seinem kommentierten Literaturverzeichnis geht Dvoreckij selbst auf die Stärken und Schwächen der vorhandenen Endspielliteratur ein. Das Verzeichnis erscheint vollständig. Ich vermisste nur Paul Keres "Praktische Schachendspiele", welches der Autor sicherlich in einer russischen Ausgabe eingesehen hat. Von der mir bekannten Endspieltheorie können sich zwei Bücher mit Dvoreckij messen: Karsten Müller / Frank Lamprecht: Fundamental Chess Endings und Alexander Pantschenko: Endspieltheorie und Praktik. PRÄSENTATION
DES MATERIALS EIN BEISPIEL
Der Leser weiß
bestimmt, dass dieses Endspiel mit einem Unentschieden enden sollte.
Der schwarze Turm steht hinter dem Freibauern. Je mehr sich der weiße
Freibauer dem Umwandlungsfeld nähert, desto geringer ist die Bewegungsfreiheit
des weißen Turms. Die einzige weiße Gewinnmöglichkeit
besteht darin, mit dem König zum a-Bauern zu laufen und dessen
Umwandlung zu ermöglichen. In der Zwischenzeit wird Schwarz natürlich
nicht untätig bleiben und die ungeschützten weißen Bauern
am Königsflügel des Feldes verweisen. Häufig entsteht
ein Endspiel Turm gegen Bauern, welches die materiell unterlegene Seite
durch Umwandlung eines ihrer Bauern retten kann. Was sagt Dvoreckij zu diesem Endspiel? Durch einen Blick ins Inhaltsverzeichnis wird man schnell auf das Kapitel 9.7.3 verwiesen. Dort wird zum Oberthema "Turmendspiele - Gleichgewicht auf einem Flügel, Mehrbauer auf dem anderen" der Spezialfall "Turm vor dem Bauern, Bauer auf der 6. Reihe" analysiert. Dvoreckij bringt folgendes Beispiel von Kantorovic:
Sein
Merksatz: "Merken wir uns, dass die schwarzen Figuren optimal platziert
sind, wenn der Turm den Bauern im Visier behält und der König
möglichst aktiv postiert wird."
6.Tc4 f6 7.Ta4 Tb2+ 8.Kc6 Tb8 9.a7 Ta8 10.Kb7 Txa7+ 11.Kxa7 g5 12.hxg5 fxg5 13.Ta5 h4 14.Txg5+ Kf2 15.Th5 Kg3 16.Kb6 h3 17.Kc5 h2 18.Kd4 Weiß fehlen 2 Tempi. 18...Kg2= Mit diesem Wissen ausgerüstet, wie ging es nun in der erwähnten Partie weiter? 36.Kf1 Ta2 37.Kg1 Kf5 38.Kg2 Ta3 39.Ta7 Kf6 40.Kf1 Ta2 41.Ke1 Kg7 42.Kd1 Kf6 43.Kc1 Txf2 44.Kb1 Tf5 45.Tc7 Tb5+ 46.Kc2 Ta5 47.a7 Kf5 48.Kb3 Kg4 49.Tc4+ Kxg3 50.Ta4 Txa7 51.Txa7 Kxh4
Diese Stellung
scheint verloren zu sein. Es folgte: 52.Kc3 Kg3 53.Kd2 g5 54.Txf7
h4 55.Ke2 g4 56.Kf1 Kh2 57.Tf2+ Kh1 58.Tf4 h3 59.Kf2 h2 60.Te4 1-0 Das schwarze Problem war offenbar, dass Weiß durch das Manöver Tc4-a4 die nötigen Tempi gewann, um seinen König rechtzeitig anzunähern. 45....Ta5+ und 48...Ta1 scheinen mir noch das Remis sicherzustellen. FAZIT |
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