
Joachim
Wintzer,
34, ist Historiker
und FM (ELO
2367).
Er spielt für
die SG Kirchheim
in der 2. BL Süd.
Kontakt

Das
Belegexemplar
wurde uns freundlicherweise
von der Firma
Schach E. Niggemann
zur Verfügung gestellt.
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von Joachim Wintzer
Chris Ward: Starting
Out. The Nimzo-Indian
BIBLIOGRAPHISCHE ANGABEN
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Titel:
Starting Out. The Nimzo-Indian
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Autor:
Chris Ward
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Sprache:
Englisch
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Seitenzahl:
176
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Cover:
Paperback
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Erscheinungsjahr:
2002
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Verlag:
Everyman Publishers
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Preis:
20,50 €
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ISBN:
1-85744-254-7
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Urteil:
Unterhaltsam geschriebene, aber nicht ganz überzeugende Mischung
zwischen Anfänger- und Eröffnungslehrbuch
ÜBER DEN
AUTOR
Der britische Großmeister
Chris Ward (Elo um 2500) gehört zu den britischen Spielern, die
schon zahlreiche Bücher geschrieben haben. Seine Oeuvre reicht
von Anfängerbüchern und Testbüchern wie "Improve
Your Opening Play", "It's Your Move", Think
Like a Chess Master: Opening Play (1994) über Eröffnungsbücher
wie "Winning with the Dragon", "The Queen's
Gambit Accepted" (1999), "Unusual Queen's Gambit Declined"
(2002) bis hin zu dem Endspielbuch "Modern Practical Endings.
Bishop versus Bishop" (1993).
DIE NEUE REIHE
"STARTING OUT"
Everyman möchte
mit der neuen Reihe "Starting Out" den aufstrebenden Spieler
(improving player) ansprechen, der bereits Grundkenntnisse hat und sich
die Grundideen einer Eröffnung erst einmal aneignen will. Wenn
Wards Buch typisch für diese Reihe ist, so unterscheidet sich die
Starting Out-Reihe von der "Wie spielt man"-Literatur dadurch,
dass sie viele allgemein gehaltene Hinweise und Tipps enthält,
die man eher in einem Anfängerbuch als in einer Monographie über
eine bestimmte Eröffnung erwarten würde. Das Buchformat der
neuen Reihe ist zwar dasselbe wie bei den Everyman-Eröffnungsbüchern,
das Layout ist jedoch ganz anders gestaltet. Die Buchstaben und Diagramme
sind wesentlich größer, der Satz einspaltig. Bei gleicher
Seitenzahl enthält "Starting Out" also wesentlich weniger
Inhalt, ist aber angenehmer zu lesen.
GLIEDERUNG
Ein Blick auf die
Gliederung verrät, dass die Hauptsysteme alle kurz vorgestellt
werden:
Bibliography
(1 S)
Introduction (4 S)
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4
Rubinstein Variation: 4.e3 b6 (16 S)
Rubinstein Variation: 4.e3 0-0 (18 S)
Rubinstein Variation: 4.e3 c5 (12 S)
Classical Variation: 4.Dc2 d5 (12 S)
Classical Variation: 4.Dc2 0-0 5 a3 Lxc3+ 6 Dxc3 (15 S)
Classical Variation: 4.Dc2 c5 5 dxc5 (16 S)
4.Sf3 b6 (14.S)
4.Sf3 0-0 (11 S)
4.Sf3 c5 (13 S)
Sämisch Variation: 4.a3 (14 S)
Leningrad Variation: 4.Lg5 (12 S)
Odds and Ends (9 S)
Solutions to Exercises (4.S)
EINFÜHRUNGEN
IN NIMZO-INDISCH
Nimzo-Indisch gehört
zwar zu den populärsten Eröffnungen, doch sind in den letzten
Jahren nur wenige Werke darüber erschienen. Als eine der solidesten
Verteidigungen gegen 1.d4 erfreut es sich bei Amateuren wie Großmeistern
gleichermaßen Beliebtheit. Im Unterschied zu Eröffnungen
wie Königsindisch oder Holländisch steht diese Eröffnung
nicht unter dem Generalverdacht, positionell fragwürdig zu sein.
Eine neuere Gesamtdarstellung (in 2 oder 3 Bänden) fehlt. Immerhin
gibt es einige Monographien zu einzelnen Systemen. Aber an dieser Stelle
interessieren jetzt nur die Bücher, die anhand von vollständig
wiedergegebenen Partien in die strategischen Prinzipien von Nimzo-Indisch
einführen wollen. "Wie spielt man Nimzo-Indisch"
von Keene/Taulbut war eine brauchbare Einführung, ist aber schon
lange vergriffen. Neueren Datums ist Kostens "Mastering the
Nimzo-Indian with the play and read method" (1998), eines der
schwächeren Bücher dieser Reihe. Svetozar Gligorics Klassiker
"Play the Nimzo-Indian Defence" (1985) setzt im Vergleich
zu Ward sehr viel mehr Schachwissen voraus. Der Leser lernte sehr viel
über die Unterschiede und Feinheiten der Hauptsysteme. Für
den fortgeschrittenen Klubspieler ist dieses Buch noch immer von Interesse.
Emms "Easy Guide to the Nimzo-Indian" (1998) ist ein
Repertoirebuch aus schwarzer Sicht. Last but not least ist Rippergers
Chessbase-CD "Wie spielt man Nimzo-Indisch" zu erwähnen,
die ich aber nicht selbst in Augenschein genommen habe und mich daher
mit einem Urteil zurückhalte. Gemeinsam ist den erwähnten
Werken, dass sie sich als Einführungsbücher in die Eröffnung
und nicht noch gleichzeitig als ein allgemeines Lehrbuch begreifen.
PRÄSENTATION
DES MATERIALS
Ward führt
in jede Variante mit einer mehrseitigen Einführung ein, in welcher
die Standardpläne erläutert werden. Anschließend folgen
einige ausführlich kommentierte Partien. Die Diagramme zu den Partien
sind nicht an der Stelle eingesetzt, an welcher die entsprechende Zugnotation
abgedruckt ist, sondern zwei Diagramme sind häufig nebeneinander
abgedruckt. Wahrscheinlich sollte die Platzverschwendung aufgrund des
einspaltigen Satzes nicht übertrieben werden. Die Diagramme sind
mit Hinweisen versehen wie "a busy c-pawn", "crazy stuff",
"No castling!" und "a king on the ropes". Der gesamte
Text ist mit Warnungen (durch ein Totenkopfzeichen gekennzeichnet),
Tips (Glühbirne) und Notizen (Klemmbrett) durchzogen.
Einige Beispiele:
Tip: "Knights often dislike open spaces."
Tip: "Put your pawns in the centre."
Tip: "If stuck for a plan either eliminate one of your opponent's
well placed pieces or improve the positioning of one of your own."
Tip: "Patience is a virtue."
Warnung: "One must guard against concentrating on some pieces to
the detriment of others."
Warnung: "When it is no longer pinned, beware the knight moving
away."
Notiz: "A bishop-for knight advantage isn't usually as great as
two bishops vs. Bishop and knight advantage."
Notiz: "A loss isn't a good thing."
Ich habe den Eindruck, dass Ward bei seinen Hinweisen assoziativ vorgegangen
ist. Manche Hinweise sind sehr speziell, andere sehr allgemein, geradezu
trivial. Eine dahinter stehende Systematik ist nicht erkennbar. Die
groben Verallgemeinerungen widersprechen sich natürlich häufig.
Es wirkt komisch, dass in einem Buch über Nimzo-Indisch die Empfehlung
gegeben wird, das Zentrum mit Bauern zu besetzen. Gerade darauf verzichtet
Schwarz in vielen Varianten, z.B. der Sämisch-Variante.
Es ist ferner bezeichnend, dass erst der letzte Satz des Buches den
Begriff des Doppelbauern erklärt, obwohl dieser Begriff natürlich
die ganze Zeit vorher bereits verwandt wurde. Für einen Anfänger,
welcher die entsprechenden Begriffe noch nicht kennt, ist eine derartige
Aufbereitung des Materials unbefriedigend. Hilfreich ist hingegen der
hohe Wortanteil bei Wards kommentierten Partien. Der Leser wird nicht
mit Varianten erschlagen.
Aber wie sieht es mit der Darstellung der Eröffnung selbst aus?
Generell finde ich es begrüßenswert, wenn Autoren neues Material
präsentieren. Da viele Partien von Ward oder englischen Schachspielern
gespielt worden sind, war mir ein Großteil des Materials unbekannt.
Weil ich mit Nimzowitschs "Mein System" und "Die
Praxis meines Systems" (schachlich gesehen) aufgewachsen bin,
bedaure ich jedoch, dass Ward einige grundlegende Partien und Ideen
des Erfinders dieser Eröffnung außer Acht gelassen hat. Nimzowitschs
Blockadepartie gegen Johner mit den entsprechenden Kommentaren versehen
wäre sicher eine Bereicherung gewesen. Auch vermisse ich eine Partie,
in welcher Weiß wie in der berühmten Partie Botwinnik-Capablanca,
AVRO 1938 sein Übergewicht auf dem Königsflügel in ähnlich
eindrucksvoller Weise zur Geltung brachte.
Wards Schreibstil ist unterhaltsam, so dass es dem Leser mit Englisch-Grundkenntnissen
leicht fällt, den Erklärungen des Großmeisters zu folgen.
Nützlich sind seine ausführlichen Erläuterungen der typischen
Pläne beider Seiten, die jedem Kapitel vorangehen. Weniger überzeugt
haben mich die insgesamt (nur) 13 Übungsaufgaben, die mir mehr
der Unterhaltung als der Anwendung des angelesenen Wissens zu dienen
scheinen.
FAZIT
Das Urteil über
"Starting Out. The Nimzo-Indian" fällt nicht einfach.
Die Mischung von Anfängerbuch und Einführung in eine der strategisch
anspruchsvollsten Eröffnungen überzeugt nicht ganz. Es bleibt
abzuwarten, ob die anderen Bücher dieser Reihe das Konzept besser
umsetzen. Sieht man von den methodischen Schwächen ab, bleibt eine
unterhaltsam geschriebene Einführung in Nimzo-Indisch für
Spieler bis etwa DWZ 1800. Wer Keene/Taulbut oder Kosten besitzt, wird
auf Wards "Starting Out" verzichten können.
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