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Joachim
Wintzer,
Das
Belegexemplar |
von Joachim Wintzer
Jacob
Aagaard: Queen's Indian Defence
BIBLIOGRAPHISCHE ANGABEN
ÜBER DEN AUTOR Der dänische IM Jacob Aagaard (Elo um 2400) gehört, wenn man dem Klappentext Glauben schenken darf, zu den "renowned openings theoretician[s]". In der Tat hat Aagaard bereits einige Eröffnungsmonographien veröffentlicht: Easy Guide to the Panov-Botvinnik Attack (1998), Easy Guide to the Sveshnikov Sicilian, Sicilian Kalashnikov (2001), Dutch Stonewall (2001), Meeting 1d4 (2002). Nicht zu vergessen ist sein Lehrbuch "Excelling at chess", in welchem er einige interessante, aber umstrittene Thesen vertrat. John Watson hat sich in einer Besprechung mit Aagaards Kritik an seinem "Secrets of Modern Chess Strategy" auseinandergesetzt. DAMENINDISCH Damenindisch (1.d4
Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6) gilt als eine solide Eröffnung, die normalerweise
aufs Brett kommt, wenn Weiß das freundliche schwarze Angebot zu
Nimzoindisch ablehnt. In den siebziger Jahren wurde auf Großmeisterebene
meist die Variante mit 4.g3 Lb7 gespielt. In den achtziger Jahren wurde
dank der Bemühungen und Erfolge Kasparows das Petrosjan-System
mit 4.a3 populär. Gegen 4.g3 griffen die Schwarzspieler zunehmend
zu 4...La6. Im ersten Wettkampf Karpow gegen Kasparow 1984/85 wandten
beide Seiten diese Spielweise an. Viele Varianten sind inzwischen ähnlich
ausanalysiert wie die Hauptvarianten im Nimzoindisch, was fast immer
bedeutet, dass weiße Angriffssysteme von den Schwarzspielern entschärft
worden sind. Das Buch erhebt wie die anderen Eröffnungsbücher bei Everyman den Anspruch, eine Gesamtschau aller Varianten dieser Eröffnung zu bieten. Im Vorwort schreibt Aagaard, dass er den Verlag darum gebeten habe, zwei Bände schreiben zu dürfen. Der Verlag lehnte ab, weil er annahm, dass das Interesse an einem Einbänder größer sei. Auf den naheliegenden Gedanken, die Seitenzahl zu verdoppeln, kam der Verlag leider nicht. Um auf die erwünschte Seitenzahl zu kommen, löschte Aagaard zunächst alle Amateurpartien aus seiner Datenbank. Es verblieben 20000 Partien, viel zu viele, als dass alle Berücksichtigung hätten finden können. Als nächstes entschied sich Aagaard daher dafür, nur die kritischen Varianten zu berücksichtigen. Wenn Schwarz mehrere Wege zum Ausgleich hat, wird nur ein Abspiel vorgestellt, der Rest also weggelassen. Wie bei den Eröffnungsbüchern aus dem Verlag Everyman üblich, wird das Material anhand kompletter Partien präsentiert, ein Variantenindex am Ende des Buches fehlt noch immer. GLIEDERUNG Die im Inhaltsverzeichnis angeführte Bibliographie existiert nicht. Für die Systeme ohne g3 verwendet der Autor 75 Seiten, für die Varianten mit 4.g3 39 Seiten.
Der Verlag wirbt
mit einem starken Argument für das Buch: "This is the first
systematic study of the whole of this major opening for eleven years,
making it an essential buy for the many players who use this opening
as either Black or White." Da die Bibliographie weggelassen wurde,
kann ich nicht nachvollziehen, auf welche Gesamtdarstellung sich der
Verlag bezieht.
Aufgrund der Vielzahl
von unterschiedlichen Bauernstrukturen, die in Damenindisch entstehen
kann, verzichtete Aagaard darauf, wie in seinem Stonewall-Buch einen
allgemeinen Überblick über die Eröffnung anhand ausgewählter
Mittelspielstellungen zu geben. Nur dem Isolani auf d5 widmet der Autor
3 Seiten. Statt dessen beginnt er mit einer Kurzübersicht über
die im Theorieteil behandelten Varianten. Zum Abspiel 4.Sc3 Lb4 5.Db3
a5 heißt es beispielsweise: "5...a5 does equalise but the
resulting positions seem to be a little passive for Black because he
will often have to play on against the two bishops." Aagaard läßt
seine persönlichen Präferenzen klar erkennen. Er hält
gegen 4.g3 La6 für wesentlich aussichtsreicher als Lb7, da Weiß
entwe-der für die Deckung des Bauern c4 eine Figur deplazieren
oder sich mit 5.b3 schwächen muß. Dies führt ihn zu
der Schlussfolgerung, "that I recommend that everyone dump 4..Lb7
and choose a line from below." STAND DER THEORIE Aus dem Inhaltsverzeichnis wird bereits deutlich, dass Aagaard die ehemalige Hauptvariante 4.g3 Lb7 stiefmütterlich behandelt. Geller untersuchte das Abspiel 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 4.g3 Lb7 5.Lg2 Le7 6.0-0 0-0 7.Sc3 Se4 8.Dc2 Sxc3 9.Dxc3 auf 34 Seiten, Aagaard auf weniger als einer Seite. In der Variante 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 b6 4.g3 Lb7 5.Lg2 Le7 6.0-0 0-0 7.Sc3 Se4 8.Ld2 c5 9.Tc1 Lf6 10.d5 exd5 11.cxd5 Sxd2 12.Sxd2 d6 13.Sde4 konnte Weiß einige schöne Siege erringen, darunter die Partien Pinter - Beljawski, Luzern 1985 und Karpow - Salow, Linares 1993. Inzwischen hat es sich herausgestellt, dass 13...Le5 der beste Zug ist.
14.Dd2
Aagaard kommentiert
an dieser Stelle: "The game is rather unclear." Um die Variante
mit Lg5 ist es in den letzten Jahren ruhig geworden:
Aagaard setzt voraus,
dass seine Leser wissen, dass Weiß nach 12...exd5 13.cxd5 Lxd5
genügend Kompensation erhält und mit welchen Zügen er
diese Kompensation erhält.
Mir scheint eher,
dass Weiß positionell total verloren ist und ein "normaler"
Spielverlauf mit seiner sicheren Niederlage enden muss. Nach 19.Sc6
kommt sogar Dxe6 20.Sxd8 Txd8 in Betracht. FAZIT
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